01.42
Originalton Auktionator: „Jetzt wird es lustig: Porsche 356 A, 1957. Auch hier, grosses Interesse für dieses Fahrzeug. Und ich fange an bei 10000 Franken. 10500 – 11000 bei Ihnen – 11500 – 12000 bei Ihnen – 12500 ganz hinten – „
02.20
KOMMENTAR: 19. September 2009. Am Morgen der Versteigerung endet der Frieden für die rund 800 Autowracks auf dem Gelände von Franz Messerli endgültig. Für viele Schaulustige die letzte Gelegenheit, noch ein Foto zu machen und für Kaufwillige, sich ein Wunschobjekt noch einmal genauer anzusehen.
Originalton Auktionator: „15000 Franken? Er sagt nein – dann zum Dritten und.. 15500, neuer Bieter – neuer Bieter gegen Sie beide jetzt 15500 – 16000- 16000 Franken zum Ersten, 16000 zum Zweiten, und 16000 Franken zum Dritten und ..an Sie.. 16000.-
03.23
Eineinhalb Jahre vor der Versteigerung, im Frühjahr 2008. In Kaufdorf, im bernischen Gürbetal, liegt der Autofriedhof hinter einem dichten Baumgürtel vor Blicken geschützt. Hier hat sich die Natur im Laufe von Jahrzehnten ihr Recht zurückgeholt.
03.46
Statement Franz Messerli, Eigentümer Autofriedhof Kaufdorf, Mai 2008: „Im Jahr 1975 musste mein Vater sich verpflichten, dass er diese Tannen und diese Pappeln setzen musste, und seither hat man nichts mehr gemacht. Alle diese Bäume, die nicht Pappeln oder Tannen sind, die sind alle selber gewachsen.
Auf dem Platz, wo wir hier stehen, der ist von meinem Grossvater, und hier hat mein Vater schon seit 1933 Traktoren gebaut und hat hier Autos abgestellt. Aber damals hat man natürlich die Autos wieder verwertet, und darum war das eigentlich früher gar kein Autoabbruch. Das kam erst nachher, so in den 50er-Jahren, dass man die Teile gebraucht hat von diesen Autos, weil früher war der Wohlstand auch nicht so, dass man da einfach Autos abstellen konnte. Das wurde immer wieder verwertet.
Wir haben noch einen Tatraplan mit einem Porschemotor drin. Der hat hier einem Nervenarzt gehört, also dem Schwager vom General Guisan. Mit diesem Auto ist er immer am Mittag nach Hause gegangen zum Essen. Und im Kehrsatz hat er noch Halt gemacht, also hauptsächlich im Winter. Und da hat er hinten links und rechts ein Seil angebunden, und dann hat er eine halbe Schulklasse mit den Skiern nach Zimmerwald hinauf gezogen.
Ich bekomme unzählige Telefone; das wäre überhaupt nicht ein grosses Problem, viele Autos zu verkaufen. Da sind Porsches drunter, alle diese amerikanischen sind sowieso gefragt, die Engländer sind gefragt. Aber es ist einfach, wenn man das einzeln raus verkauft, wäre das natürlich nachher nicht mehr das Selbe, oder?“
06.05
OVERVOICE Statement Michel Dovaz: Die Fantasievorstellung ist, das Tor einer Scheune zu öffnen, etwas Stroh beiseite zu schieben und darunter einen einzigartigen Bugatti zu finden.
06.14
Statement Ard op de Weegh, Autor: „Eigentlich hängt das Zusammen mit dem Zufall. Man bekommt einen Tipp und jagt dem nach. Also 9 von 10 Mal, dass man so einem Tipp nachforscht, ist es überhaupt nichts. Aber dann manchmal kommt man da, wie wir im vorigen Jahr, in eine Scheune rein, und da stehen 70 Oldtimer aus den 30er-Jahren.“
06.40
OVERVOICE Statement Michel Dovaz: In dieser Art wurde es in Sarlat nachgebildet, mit meinen Fahrzeugen, um die man eine kleine Szenerie aus jener Epoche drapiert hat.
06.59
Das war eine gute Sache. Mit diesen Szenerien habe ich allerdings nichts zu tun gehabt, ich habe nur meine Autos zur Verfügung gestellt.
07.09
Statement Ard op de Weegh, Autor: „In Frankreich gibt es noch sehr viele. Also die sind alle eigentlich ende 70er, anfangs der 80er-Jahre hingestellt worden. Und zwar wegen der Steuer, die es damals gab und jetzt noch gibt in Frankreich, haben die die Autos da abgestellt. Und die bleiben versteckt, denn wenn man damit rauskommt, dann bekommt man einen Steuerzettel.“
07.36
OVERVOICE Statement Michel Dovaz: Der Französische Fernsehsender Chaine 3 hat einen Film darüber gemacht. Sie werden gleich sehen, dass bekannt zu sein, keine tolle Sache ist. Als Folge der Ausstellung und insbesondere des Films, bekam ich nämlich grosse Probleme mit den Steuerbehörden.
08.00
Der Prozess hat 14 Jahre gedauert. Ich habe ihn zwar gewonnen, aber eher per Zufall.
08.06
Statement Ard op de Weegh, Autor: „Dovaz hat damals einen sehr guten, teueren Rechtsanwalt gehabt, und der hat einen sehr guten Job gemacht. Nach ihm ist das eigentlich keinem mehr gelungen; die haben alle bezahlen müssen. Deshalb eben sind da noch so viele Autos versteckt in Frankreich.“
08.27
OVERVOICE Statement Michel Dovaz: Während dieser Ausstellung in Sarlat hat mir jemand angeboten, alle dort ausgestellten Bugattis zusammen zu kaufen. Eigentlich hatte ich nie vorgehabt zu verkaufen, aber die Summe... Nun, es hätte an Dummheit gegrenzt, nicht zu verkaufen.
08.44
Statement Ard op de Weegh, Autor: „Ich glaube, er ist in Frankreich sehr erfolgreich in seinem Beruf. Er hat mir auch immer gesagt, das Geld von Autos habe ich nie gebraucht, ich habe immer als Journalist und Sachverständiger für Wein gut mein Geld verdienen können.“
09.00
OVERVOICE Statement Michel Dovaz: Meine Beziehung zu Autos hätte man zu gewissen Zeiten beinahe als intim bezeichnen können. Ich war sogar kurz einmal Garagist. Dabei war ich dann aber selbst mein bester Kunde. Man kann sagen, dass mein Leben über lange Zeit hinweg in gewisser Weise auf Autos ausgerichtet war.
09.32
Statement Franz Messerli, Eigentümer Autofriedhof Kaufdorf, Mai 2008: „Man kann mir eine Türfalle zeigen oder ein Stück von einer Zierliste, und dann kann ich ihm normalerweise schon sagen, was es ist, wie alt es ist und ob ich es habe.
Hier hat man die ganze Palette: von amerikanischen Wagen, viele aus den 50er-Jahren, und mit den späteren 50er Jahren kam nachher wieder das kleinere Auto für das kleiner Portemonnaie, so ein Renault-Heck oder ein Fiat Topolino. Das ist das, was man hier eigentlich den nächsten Generationen noch zeigen könnte.
Und dann kommt diese, wie soll ich sagen, dieser Gerichtsentschluss, dass also bis März 09 das alle geräumt werden sollte.“
10.48
KOMMENTAR: Die Querelen zwischen der Gemeinde Kaufdorf und der Familie Messerli haben ihre Wurzeln weit in der Vergangenheit
Originalton aus einem Beitrag aus der Sendung ANTENNE, Schweizer Fernsehen vom 15.10.1974: „Messerlis Autofriedhof ist ein unfriedliches Flecklein Erde. Messerli hat grosse Teile der Gemeinde mit Autos, Lokomotiven, Kanonen und Ramsch verstellt. Es gab Ärger, Beschimpfungen, Quälereien, Prozesse und bisweilen auch Hiebe. Messerli aber, den man als Kind in Kaufdorf hatte verdingen wollen, wurde mit den steigenden Schrottpreisen, durch den Autoboom und die Nostalgiewelle zum steinreichen Mann.
Die Verfügungen und die Gerichtsakten, die sich bei Walter Messerli angesammelt haben, sind so umfangreich, kompliziert und widersprüchlich, dass sie kein Mensch innert nützlicher Frist sichten kann.
Zur Diskussion steht vor allem dieser Ablagerungsplatz in der Talebene. Er besteht seit 40 Jahren. Autofriedhöfe sind aber erst seit 8 Jahren bewilligungspflichtig und durch das bernische Baugesetz von 1971 geregelt. Gestützt auf diese Gesetze verfügten Gemeinde und Kanton die Räumung des Areals und die Reduktion des Betriebes auf ein Drittel der Fläche.“
11.57
KOMMENTAR: Den Parteien Messerli und Gemeindebehörde Kaufdorf ist es offenbar auch in den letzten Jahrzehnten nicht gelungen, eine gemeinsame Sprache und vernünftige Umgangsformen zu finden. So bleibt Recht nun eben sogar vom Bundesgericht abgesegnetes Recht, auch wenn zwei Drittel des Schrottplatzes wunschgemäss geräumt worden sind. Rettungsbemühungen gab es einige, sowohl aus der Bevölkerung als auch von Kunstschaffenden.
12.23
Marc Renaud, Präsident Förderverein „Historischer Autofriedhof Gürbetal“, Februar 2009: „Es gab eigentlich am Anfang das Komitee für den Erhalt des Autofriedhofs, und wir haben dann im September 2007 ein Wochenende Tag der offenen Tür organisiert, um mal zu schauen, wie gross ist eigentlich das Interesse in der Bevölkerung. Und wir wurden an diesem Wochenende Samstag, Sonntag, richtig gehend überlaufen, wir hatten fast 10 000 Besucher.“
12.45
Statement Franz Messerli, Eigentümer Autofriedhof Kaufdorf, Mai 2008: „Höchstens wenn ein Handy geklingelt hat oder wenn ein Kind irgendwie geweint hat, sonst war das Totenstille. Also die Leute haben wirklich sehr Ehrfurcht und haben das Wort Autofriedhof also wirklich, haben sich dementsprechend verhalten.“
13.05
KOMMENTAR: Zwischen Mai und Oktober 2008 fand auf dem Gelände eine nationale Kunstausstellung statt, initiiert vom Berner Künstler Heinrich Gartentor. Rund 20 Kunstschaffende präsentierten ihre Installationen. Die Ausstellung wurde ein Grosserfolg, über 30 000 Besucher waren es, die den Autofriedhof besuchten.
Das grosse Publikumsinteresse als Rettungsanker?
13.31
Marc Renaud, Präsident Förderverein „Historischer Autofriedhof Gürbetal“, Februar 2009: „Wir haben jetzt einen Nutzungs- und Rahmen- und Mietvertrag mit Franz Messerli abgemacht für die nächsten paar Jahre, als Basis, dass wir entsprechend hier Einfluss nehmen können und uns für den Erhalt und die Zukunft einsetzen können, und auch die weiteren Aktionen, Aktivitäten und Anlässe auf dem Autofriedhof organisieren können.
Als Aktivitäten sind geplant: Fotoshootings, für Modezeitschriften aber auch im Bereich Film, Dokumentation. Dann sicher auch Ausstellungen, Führungen, Gruppenbesuche und eben, dass wir dann nach Möglichkeit das Areal wieder öffnen für ganz normale Besucher.
Die Auflage ist einfach, dass diese Autos nicht auf Naturboden deponiert werden können, weil sie Flüssigkeiten enthalten könnten, die möglicherweise in den Untergrund versickern. Wir gehen davon aus, dass seit 40, 50 Jahren diese Flüssigkeiten nicht mehr flüssig sind, sie sind ausgedickt, sie sind hart geworden. Trotzdem werden wir zusammen mit Studenten einer Fachhochschule diese Autos untersuchen und schauen, dass wir, wenn es noch Flüssigkeit hat, diese trocken legen.
Eine weitere Massnahme ist eben auch, dass wir das Sickerwasser auffangen in dieser Parzelle und entsprechend noch über Abscheider aufbereiten, und so Gewähr haben, dass sich, wenn etwas im Boden wäre, es sich sicher nicht weiter auf andere Parzellen verteilen könnte.“
15.19
KOMMENTAR: Neben diesen Sanierungsmassnahmen existierte ein Businessplan, der vorsah, Einnahmen aufzustocken, um den Autofriedhof gegebenenfalls irgendwann in Zukunft räumen zu können. Die Hoffnungen, den Gemeinderat Kaufdorf damit doch noch zum Einlenken zu bewegen, waren gross.
15.39
OVERVOICE Statement Michel Dovaz: Eines Tages sah ich einen Hispano, 12 Zylinder, Zweiplätzer, Spider, funktionstüchtig und wirklich nicht teuer. Aber ich verhandelte trotzdem. Und nach gerade einmal 5 Minuten meinte der Verkäufer: Ich habe da hinten einen Zweiten, nehmen Sie gleich beide.
16.09
Und dumm genug wie ich damals war, habe ich weder den einen noch den andern genommen. Aber so war das, solche Autos interessierten niemanden damals, die waren schwer zu verkaufen.
16.26
Statement Ard op de Weegh, Autor: „Die Filmausschnitte von 1963 zeigen, als Michel Dovaz umzog nach Villemaréchal. Er musste ja all seinen Autos einen Platz geben, und in Paris ging das nicht mehr. Auf der Rennstrecke von Montlhéry ging das auch nicht mehr, also hat er sich ein Gut in Villemaréchal gekauft und hat da die Autos da abgestellt.“
16.47
OVERVOICE Statement Michel Dovaz: Ich mochte sie nun mal, und zudem hatte ich überhaupt keine Absichten, sie zu verkaufen. Von allem Anfang an habe ich nur Autos behalten, die ich auch gefahren habe. Darum sage ich von mir auch, dass ich kein Sammler sei; eben weil ich mit allen gefahren bin. Manchmal längere Zeit, manchmal auch nur sehr kurz. Und vor meinem geistigen Auge sah ich mich auch all diese Fahrzeuge irgendwann wieder in Stand stellen. Das ist aber praktisch nie passiert.
17.21
KOMMENTAR: So entstand in Villemaréchal im Lauf der Jahre sein ganz persönlicher Autofriedhof.
17.27
OVERVOICE Statement Michel Dovaz: Leider habe ich viele verschrotten lassen. Und bei den so genannten Sammlern habe ich keine grossen Sympathien, da ich für sie ein „Automörder“ bin.
17.37
Und in gewisser Weise stimmt das ja auch. Nur, sie hätten sich damals melden müssen, ich hätte sie ihnen günstig verkauft, sogar geschenkt: aber sie waren nicht da.
17.50
KOMMENTAR: Die frühen Fünfzigerjahre, wo man Bugattis dem Alteisenhändler zum Kilopreis verkaufte, waren endgültig vorbei, und der Privatautofriedhof von Dovaz wuchs weiter an.
18.06
OVERVOICE Statement Michel Dovaz: Niemand macht sich eine Vorstellung davon, welch grossen Verdruss, - um es freundlich auszudrücken – es macht, Autos zu besitzen, vor allem wenn es viele sind. Ich musste Unterstände bauen, dann muss man doch von Zeit zu Zeit die Reifen pumpen, Dinge tun, die absolut langweilig und nicht sehr angenehm sind, ausser dass man die Autos dabei ansehen kann.
18.39
KOMMENTAR: Bis in die frühen 80er-Jahre wussten nur einige Eingeweihte von den Oldtimern. Ihr Wert war inzwischen in die Millionen gestiegen, ohne dass dies Dovaz wirklich interessiert hätte. Im September 1983 veröffentlichte das Deutsche Magazin Stern eine Reportage mit Fotos von Herbert Hesselmann. Dovaz hatte Hesselmann und dem Autor Walther Wuttke die Auflage gemacht, weder seinen Namen noch den Ort zu verraten.
19.08
Statement Ard op de Weegh, Autor: „In dem Deutschen Artikel stand, es ist ein Vinologe, Journalist, 54 Jahre alt hat man auch gesagt, lebt etwa100km südlich von Paris. Ja, das waren eigentlich nur 3 Vinologen, wovon nur einer in der Schweiz geboren und 54 war. Und ja, da braucht man nicht wirklich schlau zu sein, um zu bedenken, also, das kann eigentlich nur Michel Dovaz sein.“
19.38
OVERVOICE Statement Michel Dovaz: Hesselmann hat mir die Fotos gezeigt, sie waren witzig. Was mir besonders gefallen hat, war, dass sie, man könnte sagen nicht retouchiert waren; dort wo es Staub hatte – und es hatte viel davon – sah man ihn auch. Alles hat gepasst
20.00
KOMMENTAR: Ende1983 folgte das Buch „Schlafende Schönheiten“, das 2007 eine erweiterte Neuauflage fand. Wie weit man sich neben den stimmungsvollen Fotos am Text erfreut, ist Geschmackssache. Selbst nachdem Besitzer und Ort der Sammlung längst bekannt sind, wird noch immer ein Märchen um einen seltsamen Kauz an einem unbekannten Ort gesponnen. Die Fotos von Herbert Hesselmann gingen 1983 um die Welt, und ob sie und verschiedene Artikel den Ausschlag gaben, dass Michel Dovaz seine rund 60 Autos 1984 - sozusagen in einer Nacht- und Nebelaktion - nach Südfrankreich transportierte, lässt Dovaz uns gegenüber offen.
20.51
OVERVOICE Statement Michel Dovaz: Hätte man den Ort gewusst, wären alle gekommen. Kann sein, dass es Leute gab, die gesucht haben. Jedenfalls, ob es eine Folge davon war, weiss ich nicht, aber ich wurde wiederholt bestohlen. Motoren, Getriebe, Ersatzteile usw. Und das war einer der Gründe, warum ich umzog.
21.15
Den Lastwagenfahrern, welche die Autos von Villemaréchal in den Südwesten Frankreichs fuhren, war es streng verboten, das Ziel zu verraten. Sich Ärger zu ersparen, war wirklich nicht leicht.
21.35
KOMMENTAR: Was aus den Fahrzeugen der Sammlung geworden ist, hat Ard op de Weegh mit seinem Sohn Arnoud und dem Deutschen Kay Hottendorff recherchiert und in einem Buch aufgearbeitet.
21.51
Statement Ard op de Weegh, Autor: „Das ist also die Geschichte seiner Kollektion Autos zwischen sagen wir 1948 und 1990, als er die Sache verkauft hat. Und der letzte Teil besteht daraus, dass wir alle Autos, die Dovaz gehabt hat, beschreiben mit Fotos, wie sie beispielsweise 1948 ausgesehen haben, und was daraus geworden ist.“
22.22
OVERVOICE Tomas Ivansson, Autofriedhof Båstnäs: Diese Strasse führt nach Norwegen. Man nennt sie Alte Zuckerstrasse, weil man früher Zucker gehandelt und auch geschmuggelt hat. Eine weitere Schmugglerstrasse befindet sich etwas weiter nördlich. Bis zur Norwegischen Grenze sind es nur 4 Kilometer.
22.40
KOMMENTAR: Die nächste grössere Ortschaft im Südwesten Schwedens ist Töcksfors, rund 20km entfernt.
22.50
OVERVOICE Tomas Ivansson, Autofriedhof Båstnäs: Wir sind in Båstnäs, einem kleinen Ort in Vestravogelweg. Mein Vater und mein Onkel haben hier etwa 1955 begonnen.
23.05
Nach dem Krieg gab es in Norwegen kaum Privatautos, und mein Vater erzählte etwas von einem Schlupfloch im Norwegischen Gesetz. Es sei zwar verboten gewesen, Autos einzuführen, nicht aber, Autos zu bauen.
You are in Bosnäs, it is a tiny tiny place in Vestravogelweg, outside of Töcksfors (and it is in a Junkyard.)
23.26
OVERVOICE Rune Ivansson, Eigentümer Autofriedhof Båstnäs: Sie nahmen die Autos mit und zerlegten sie irgendwo. Und dann brachten sie das Chassis über die Grenze und irgendwann später dann den Motor und den Rest.
Trenner VOX
23.43 KOMMENTAR: Es muss ein gutes Geschäft gewesen sein damals, denn gemäss Ivansson gab es einige solcher Betriebe wie den seinen.
23.56
OVERVOICE Rune Ivansson, Eigentümer Autofriedhof Båstnäs: Entlang der Grenze zu Norwegen gab es viele. Aber wir verkauften nicht nur den Norwegern, sondern auch Teile und ganze Autos in Schweden. So verkauften wir Renovierungsobjekte, zum Beispiel Amerikaner, denen dann quasi ein neues Leben eingehaucht wurde.
25.04
OVERVOICE Tomas Ivansson, Autofriedhof Båstnäs: Als ich klein war, habe ich einmal versucht, sie zu zählen, aber ich hab es dann aufgegeben. Ich glaube, wir hatten die Bewilligung für 500, aber diese Zahl haben wir, denk ich, überschritten.
25.20
Problematisch könnte es werden wegen Umweltaktivisten. Vermutlich werde ich versuchen, eine Art Museum daraus zu machen. Der Autofriedhof gehört einfach hierher und viele Leute mögen ihn. Ich werde versuchen, ihn zu erhalten.
25.57
OVERVOICE Franz Messerli: Ich freu mich, auch viele Freunde zu sehen, aber es gibt natürlich auch Gaffer hier.
26.09
Statement Roger Linder, Mitarbeiter Autofriedhof Kaufdorf: „Also hier ist das Stossstangenhorn eingewachsen, da muss wahrscheinlich die Stossstange dran glauben. Probieren wir, weil der ist zu schade für zu fällen.“
26.30
OVERVOICE Franz Messerli: Ich hoffe, dass diese Autos noch einen guten Platz finden, vielleicht in einer Gemeinde, wo etwas anders gedacht wird als hier in Kaufdorf.
26.42
Vielleicht in einem Garten oder einem Verkehrskreisel.
26.52 OVERVOICE Tomas Ivansson, Autofriedhof Båstnäs: Wir hatten Probleme mit den Behörden. Seltsam ist einfach, dass sie für touristische Zwecke Bilder von hier auf ihren Websites haben, vom Umweltaspekt her gesehen aber möchten sie, dass wir die Autos wegräumen. Warum mögen sie uns einerseits, akzeptieren uns aber andererseits nicht? Wir hatten Probleme ja, zurzeit aber ist es ruhig.
27.22
KOMMENTAR: Vielleicht hätte etwas mehr Ruhe, Vernunft und Ausgewogenheit der Parteien auch in Kaufdorf zu einem Schwebezustand zu Gunsten der Sache führen können.
27.36
Originalton Auktionator: „Wir sind alle gespannt auf Lot Nummer 180, ein Mercedes Benz 190 SL, 1955. Und ich fange an bei10 500 Franken.. 11 000 – 11500 -
28.14
Statement Roger Linder, Mitarbeiter Autofriedhof Kaufdorf, September 2009: „Die Karosserie, die bleibt in der Regel drauf. Ich hab extra ein Gestell konstruiert, damit ich sie wie eine Marionette aufheben kann. Also bis jetzt ist keiner zerfallen.
Für mich ist es sehr schwer, das muss ich sagen. Ich habe jetzt 30 Jahre dazu geschaut, dass nichts gestohlen wird, und jetzt mach ich es selber kaputt im Prinzip. Aber besser ich als irgendeiner, der keinen Bezug hat zu diesem Ort.“
28.47
Statement Michel Widmer, Eigentümer Chevrolet Bel Air, 1957: “Das ist ein Chevi 57 Bel Air. Das war für mich das interessanteste Fahrzeug auf dem Oldtimerfriedhof. Ich hab es ersteigert. Ich hab ein gleiches Cabrio, das heisst, ich kann viele Teile verwenden von diesem Wagen. Und es gibt auch die Möglichkeit, ein neues Häuschen zu kaufen und auf das bestehende Chassis zu bauen, sprich, das Auto eigentlich neu aufzubauen. Das könnte man, wenn man möchte.
Für 750.- . Das war ein Gebot, das ich schriftlich abgegeben habe, weil ich nicht mehr teilnehmen konnte am Nachmittag. Und ja, das hat glücklicherweise hingehauen.“
29.27
Originalton Auktionator: „Ein unberührter 190er Mercedes. 13500 – Rüdiger 14500 - 15000 – 15500 zum, Ersten, 15500 zum Zw.. -16000 – hier 16500? – 17000? – 16500 ist zu meiner Rechten – 16500 zum ersten – 16500 zum Zweiten – 17000 – 17000 Franken- 17000 Franken zum Ersten - zum Zweiten – 17000 – und letzten Mal.“
Swiss made:
02.04:
Er kostete 800 Franken; das war viel Geld 1974, und mein Lohn damals war auch nicht gross.
02.17:
So ein Atelier habe ich mir lange gewünscht. Hier verbringe ich den ganzen Tag, hier lebe ich in meinem Universum.
02.35:
Meine Kundschaft ist ganz unterschiedlich, aber bei mir geht es nicht einfach: ich will, ich bringe, ich zahle und ich habe.
02.46:
Ich brauche einen gewissen Kontakt von Anfang bis Schluss, und am liebsten ist mir, wenn der Kontakt auch nachher noch anhält.
02.57
KOMMENTAR: 1945 in der Provinz Venedig geboren und aufgewachsen, wandert Gino Zoggia als gelernter Karosseriespengler in die Schweiz aus. Über seinen Arbeitgeber kommt es hier in den 60ger-Jahren auch zur Zusammenarbeit mit dem legendären Schweizer Automobilkonstrukteur Monteverdi
03.17
OVERVOICE Statement Gino Zoggia, Carrosserie-Atelier Gino: Von Monteverdi habe ich viel gelernt, zum Beispiel improvisieren, formen, schnell zu arbeiten. Ich brauche es jetzt! - Er war so dieser Typ.
03.31
Ich habe wunderbare Erinnerungen an ihn.
03.35
KOMMENTAR: (KNAPP) Seit 1996 arbeitet Gino Zoggia selbständig und die Ansprüche, die er an sich stellt, sind hoch. Seine Arbeitsweise und die Materialverarbeitung sollen genau der jeweiligen Epoche entsprechen, aus der das Fahrzeug stammt.
03.51
OVERVOICE Statement Gino Zoggia, Carrosserie-Atelier Gino: Experten an Veranstaltungen wie beispielsweise einem Concours d’Elégance müssen schon eine grosse Brille anziehen, um erkennen zu können, wer das Auto gemacht hat und wann es gemacht worden ist.
04.06
Ich arbeite nicht immer am selben Auto. Eines anzufangen und direkt fertig zu stellen ist mir unmöglich. Manchmal verliert man die Nerven oder den richtigen Blick, und dann muss man es vorübergehend einfach einmal stehen lassen können und später wieder daran arbeiten.
04.24
KOMMENTAR So entsteht hier die Stossstange für den restaurierten Lincoln, in dem – so behaupte der Besitzer – John F. Kennedy ermordet wurde.
04.34
OVERVOICE Statement Gino Zoggia, Carrosserie-Atelier Gino: Der Wagen wird in einem Museum in Frankreich zu sehen sein. Und ich freue mich schon darauf, bis er dann dort steht mit der verchromten Stossstange. Das Verchromen dürfte noch einige Probleme bringen, da sie riesengross und beinahe 200kg schwer ist.
05.01
Eine Restauration, bei der man alles zerlegt, wenn möglich repariert oder neue Teile machen muss, die dauert lange. Es gibt Autos, wo das 3,4,5 Jahre dauert. Meiner war auch so ein Fall.
05.23
Ich habe jeweils nach Feierabend in meiner kleinen Garage noch 2-3 Stunden daran gearbeitet.
05.41
Das ist ein 1000ccm Praga Baby, der kleinste, den Praga gemacht hat. Normalerweise war es ein Zweiplätzer, dieser hier aber wurde zu einem Vierplätzer mit einer Spezialkarosserie umgebaut.
06.21 1981 ist das Auto fertig geworden. Und die erste Rallye führte nach Deutschland. Es war ein wunder schönes Erlebnis: keiner kannte den Wagen, überall fragten sie, was das für ein Auto sei. Das macht natürlich auch Freude.
Sehen Sie hier die Sendung «NZZ Standpunkte» mit Carel van Schaik, Primatenforscher
Sehen Sie hier die Sendung «NZZ Standpunkte» mit Carel van Schaik, Primatenforscher
Sehen Sie hier die Sendung «NZZ Standpunkte» mit Carel van Schaik, Primatenforscher
Sehen Sie hier die Sendung «NZZ Standpunkte» mit Carel van Schaik, Primatenforscher