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Vom Winde verweht: Staub

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1:03
Staub gelangt aus den verschiedensten Quellen in die Atmosphäre.

1:11
Staub begleitet die Menschheit von Anfang an.
1:16
Staub steht für Vergängliches und für Entstehendes.

1:20
Staub ist äusserst mobil und ein wichtiger Umweltfaktor.
Zum natürlichen Staub – der etwa 90% des gesamten Staubs ausmacht - kommt der von Menschen gemachte dazu. Er setzt sich überall fest, beherbergt eine Unmenge von Klein- und Kleinstpartikeln, die bekanntlich zum Teil gefährlich sind.

1:41
Im Hausstaub finden sich nicht nur die bekannten Milben, sondern z.B. auch Feinstaub mit gesundheitsschädigenden Risiko-Chemikalien.
100 Millionen Staubteilchen finden sich in städtischen Wohnungen in einem Kubikmeter Luft.

1:53
Malmesbury, ca. 2 Autostunden westlich von London.

1:59
Über 800 Mitarbeiter beschäftigen sich am Hauptsitz der Firma Dyson mit der möglichst effizienten Beseitigung des Staubes.

2:06
Seit der Gründung des Unternehmens 1993, hat man bis heute weltweit über 30 Millionen Staubsauger verkauft.

2:14
Dyson Staubsauger stehen für beides: Für Funktionalität aber auch für Design.

2:22
So will es James Dyson. Der Unternehmer, Erfinder, Ingenieur und Designer ist heute einer der  reichsten Männer Grossbritanniens.

2:29
Der Erfolg ist ihm nicht in den Schoss gefallen. Hartnäckig, mit viel Leidenschaft und Kreativität hat er die Staubsaugerbranche revolutioniert.

2:42
Endgültig vom Teppichklopfen befreit wurden die Frauen nach dem 2. Weltkrieg.

2:51
Kleinere, leichtere Staubsauger kamen auf den Markt.

2:59
Männer benutzten die handlichen Geräte zum Auto-, aber auch zum Pferdeputzen. 

3:08
Die Zuwachraten in der Branche waren beträchtlich. In den frühen 60er Jahren verfügten bereits 65% der Haushalte in Deutschland über einen Staubsauger. Sie alle hatten einen Beutel als Staubfänger.  (3.21)

3:26
Statement James Dyson, Unternehmer
Ich habe festgestellt, dass alle anderen Staubsauger an Saugkraft verlieren. Je voller der Beutel wird, desto ineffizienter wird der Staubsauger. Das hat mich als Benutzer gestört.
3:37
Also habe ich ein System mit Zyklonen entwickelt, das nicht an Saugkraft verliert, sondern konstant eine maximale Saugkraft aufweist.
Da es beim Staubsauger ums Saugen geht, ist das einfach wichtig. Das ist der wichtigste Unterschied: Wir sind der einzige Staubsauger, der nicht an Saugkraft verliert, alle andern tun das. (max 3.55)

4:03
Es war das Laufen in seiner Jugend, das ihn so stark gemacht hat, so ist James Dyson bis heute überzeugt. Er studierte Ingenieur-Wissenschaften und Design und wollte schon immer Erfinder werden.

4:17
«Sea Truck», so hiess das Wasserfahrzeug, das er für die Britische Armee 1969 entwickelte.

4:23
2 Jahre tüftelte er an der Hochgeschwindigkeitsbarkasse. Sie hatte einen luftgefüllten Schiffsrumpf und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 40 Knoten.

4:35
Die «Ballbarrow», die Ballschubkarre, erfand er 1974 und der «G-Force», sein allererster Staubsauger, kam 1987 auf den Markt .

4:47
Dyson Staubsauger funktionieren mit der sogenannten «Vacuum» - oder «DualCyclon» -
Technologie.

4:55
Zu Deutsch ist das ein sogenannter Fliehkraft- oder Zyklonabscheider. Die Luft wird mit hoher Geschwindigkeit in enger werdenden Kreisen in Behältern herumgeführt. Dabei wandern die Schmutzteilchen durch die Zentrifugalkraft an die Wand des Behälters.
Heute gibt es auch andere Produzenten, welche Zyklon-Staubsauger herstellen, aber James Dyson hat sie erfunden.

5:22
Statement James Dyson, Unternehmer
Es hat etwa 5 Jahre gedauert und ich habe über 5000 Prototypen gebaut. Und wir haben natürlich das System über all die Jahre weiterentwickelt, damit es noch effizienter wird.

5:35
Im Jahr 2001 gaben sich Queen Elisabeth und Prinz Philipp die Ehre, die Dyson-Zentrale in Malmesbury, zu besuchen.

5:43
Schon damals wurden hier alle Staubsauger entwickelt, designed und bis 2002 auch hergestellt.

5:53
Heute produziert und testet man in erster Linie in Malaysia.

5:58
100.000 Staubsauger der verschiedensten Modelle werden hier pro Woche hergestellt.

6:05
Innerhalb von nur 20 Jahren ist Dyson zum weltweit erfolgreichsten Staubsauger-Produzent geworden.

6:14
Sogar in den USA hat Dyson – allen Widerständen zum trotz - eingeschlagen und ist beim Kampf gegen Staub in Innenräumen heute die Nummer 1.

6:29
Bei Dyson pflegt man flache Hierarchien.

6.34
Zusammenarbeit und freie Meinungsäusserung wird gross geschrieben.

6:39
Bei der Arbeit von Ingenieuren und Designern soll es keine sture Trennung geben.

6:45
Denken über die Fachgrenzen hinweg, Disziplin, Selbstsicherheit und ein ehrliches Interesse an der Sache sind entscheidend, wenn man Erfolg haben will, so ist James Dyson überzeugt.    

7:02
Statement James Dyson, Unternehmer
Es braucht Entschlossenheit, man darf nicht aufgeben und sich nicht abschrecken lassen durch das, was die Konkurrenz tut. Man muss an die eigene Idee glauben.
7:11
Ich bin nur am Produkt interessiert und daran wie gut es funktioniert. Ich bin nicht an Marketing oder Verkauf interessiert, mich interessiert wie das Produkt funktioniert. Ich denke, das ist wichtig.
7:26
Die Leute kaufen etwas, weil es gut funktioniert. Sie kaufen nicht eine Marke oder etwas Gestyltes, sie wollen etwas, das funktioniert. Das interessiert mich und darauf konzentriere ich mich.

7:43
In den letzten Jahren hat man viel in die Entwicklung kleinerer und leichterer Staubsauger investiert.
Daneben standen neuere, effizientere Antriebe im Fokus des Interesses.

7.58
Statement James Dyson, Unternehmer
Wir haben die letzten 10 Jahre damit verbracht, elektrische Motoren mit einer neuer Technologie zu entwickeln. Hochgeschwindigkeitsmotoren. Damit erzielt man mit kleinen Motoren eine grosse Wirkung. Wir haben uns für einen geschalteten Reluktanzmotor entschieden.

8:14
Altmodisch funktioniert ein Motor mit Kohle-Bürsten und Kupferdrähten. Aber das ist eine sehr alte, mechanische Methode, um einen Motor anzutreiben. Unsere Konkurrenten verwenden noch solche Motoren. Wir werden einen Chip verwenden.

8:27
Der Chip ist hier. Und dieser Chip besorgt die Schaltung. Er kann 6500 Mal pro Sekunde schalten.
So können wir sehr schnell sein und eine Drehzahl von 100.000 pro Minute erreichen.

8:43
Im Mikrobiologie-Labor in Malmesbury wird geforscht, um in Zukunft vermehrt Modelle für spezifische Kundschaft - wie z.B. Allergiker oder etwa Hundehalter - zu entwickeln.

8:57
Um geeignete Staubsauger zu konstruieren, muss man ganz genau wissen, was bei welcher Teppichstruktur - auch bei intensivstem Saugen - allenfalls noch im Teppich hängen bleibt.

9:11
Auch kleinste Partikel werden ausgezählt.

9:14
Mit Staubsaugern beikommen möchte man in Zukunft insbesondere all dem, was im Hausstaub, in einem Teppich, auf einem Sofa oder in einem Bett unter Umständen krank macht.

9:25
z.B. Nanopartikel von Schwermetallen oder kleinste Tiere, wie diese Hausstaubmilben hat man dabei im Visier.

9:34
Es ist nicht einfach bereits ausgereifte Produkte zu verbessern.

9:39
300 Spezialisten arbeiten bei Dyson täglich daran.

9:45
In weniger als 2 Jahrzehnten hat man es an die Weltspitze der Staubsaugerproduzenten geschafft. Das Schlimmste was jetzt passieren könnte, wäre in einen saturierten Stillstand zu verfallen. Als erster würde dagegen wohl James Dyson selber mit Hochgeschwindigkeit Sturm laufen.

10:07
Statement James Dyson, Unternehmer
Es braucht noch viel Forschung und riesige Verbesserungen. Wir werden weiterhin versuchen noch effizientere Motoren zu bauen. Wir wollen dass Staubsauger noch effizienter werden, besser saugen, weniger Strom verbrauchen, Wir wollen leichtere, kleinere Staubsauger.
10:23
Warum müssen sie gross sein? Ein Kleiner ist doch besser, es braucht weniger Material und ist leichter zu transportieren.
Bei den Staubsaugern muss noch viel geforscht und erfunden werden, deshalb bleiben sie  faszinierend.

10:41
Anlass zu grosser Besorgnis hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder die Staubbelastung durch Industrie und Kraftwerke gegeben.

10:50
Allerdings sind diese Staubfreisetzungen in vielen entwickelten Ländern in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Durch effiziente Filtertechnologien, aber etwa auch durch Stilllegungen.

11:06
Im Herzen des rheinischen Braunkohlereviers liegt der Tagebau Hambach.

11:13
Soviel Staub, wie dieses Dienstfahrzeug aufwirbelt, ist hier nur noch selten zu sehen..

11:19
40 Millionen Tonnen Braunkohle werden hier jährlich gefördert.

11:24
In Hambach kommen die grössten Bagger der Welt zu Einsatz. Sie dringen vor zur Braunkohle, die bis zu 450m tief liegt.

11:36
Je trockener es ist, desto mehr Staub bildet sich. Gesundheitsgefährdender Staub und Feinstaub sind hier selbstverständlich ein Thema.

11:46
Statement Ralf-Jürgen Hempel, RWE Power
Wir kennen das Problem des Staubes grundsätzlich schon seit Jahren und haben unserer Technik der Staubbekämpfung darauf abgestellt. Seit etwa 4 Jahren ist auch Feinstaub ein Begriff  -  EU-weit und auch in Deutschland. Und wir mussten dann erst einmal lernen den Feinstaub zu begreifen; wissen, wo der Feinstaub entsteht und haben deshalb uns Helfer
von den Universitäten mit herangeholt, die uns im Prinzip geholfen haben entsprechende Massnahmen auch zu entwickeln.

12:17
Ob es insgesamt ökologisch sinnvoll ist Braunkohle abzubauen, darüber streiten sich die Fachleute.

12:26
Was die Massnahmen zur Reduktion von Feinstaubemissionen hier im Tagebau Hambach anbelangt, so kann man sicherlich von einem Erfolg sprechen.

12:37
Erste und wichtigste Massnahme ist die Bewässerung. Sie erfolgt besonders intensiv dort, wo Kohle oder Abraum gefördert wird.

12:46
Zusätzlich werden die Transportbänder an verschiedensten Stellen besprüht.

12:55
Im Bereich des Kohlebunkers sorgen Wassersprühnebel dafür, dass auch feinste Staubpartikel gebunden werden.

13:06
Auch die zweite wichtige Massnahme, die Begrünung, ist sehr effizient, insbesondere auch dort, wo erst vor kurzem Kohle abgetragen wurde.

13.17
Statement Ralf-Jürgen Hempel, RWE Power
Freiliegende Flächen, wenn sie austrocknen neigen auch zu einer Entstaubung und deswegen haben wir gemeinsam mit einer Firma ein Verfahren entwickelt, wo wir sogar die Kohle begrünen können. D.h. systematisch werden die länger bestehenden Kohlflösse mit einem solchem Material überspannt und werden dann grün und das Wurzelwerk bindet dann den Staub.

13:42
Die Begrünungsmassnahmen werden ergänzt durch Aufforstungen in jenen Gebieten, wo keine Kohle mehr gefördert wird.

13:53
Mit diesen einfachen Massnahmen konnten die Feinstaubemissionen im Bereich des Tagebaus Hambach um 25% reduziert werden.

14:03
Damit ist der Tagebau allerdings immer noch zu rund 1/5 an den Feinstaubemisssionen in dieser Gegend beteiligt.

14:14
Beim Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz in Essen fliessen Daten von über 100 Messstationen in Nordrheinwestfalen zusammen.

14:25
Hier muss Alarm geschlagen werden, wenn bestimmte Grenzwerte, z.B. bei Feinstaub überschritten werden.

14:37
Die unsichtbaren nanometer-kleinen Partikel stellen ein ernstes Gesundheitsrisiko dar. Kleiner als 1 Mikrometer können sie via Lunge in die Blutbahn gelangen und Krankheiten wie Krebs auslösen.

14:49
Der Strassenverkehr trägt in Industrieländern durchschnittlich zu rund 30% zu dem von Menschen verursachten Feinstaub bei.
Am stärksten beteiligt sind dabei die Dieselfahrzeuge mit Ihren Abgasen.

15:03
An der Material Prüfungsanstalt EMPA in Dübendorf bei Zürich beschäftigt man sich seit vielen Jahren mit Dieselabgasen. Vor allem mit der Frage, wie wirksam die Partikelfilter Feinstaub-Emissionen reduzieren können.

15:20
Gerade sind Proben von der Fachhochschule in Biel eingetroffen. Dort werden an ein und demselben Dieselmotor verschiedene Filtersysteme getestet, um zu wissen wie viele Russnanopartikel sie zurückhalten.

15:35
Dass Partikelfilter sehr viel bringen können, ist auch für Laien von freiem Auge ersichtlich: z.B. wenn man eine Abgasprobe ohne und eine solche mit Partikelfilter vergleicht.

15:47
Statement Norbert Heeb, Chemiker EMPA
Wir haben heute verschiedene Varianten dieser Technologie, die 99.9% dieser Partikel
zurückhalten. Es ist eine Wirksamkeit, die haben 3-Weg-Katalysatoren nicht. 99.9.% ist eigentich sensationell.

16:09
Allerdings ist Partikelfilter nicht gleich Partikelfilter.

16:16
Die Unterschiede in der Effizienz sind gross.

16:20
Nicht alle Filter entfernen die gefährlichen nanometerkleinen Russpartikel aus dem Abgas gleich gut.

16:27
Bei den chemisch-analytischen Tests sieht man sehr schnell, welche Filter etwas taugen und welche nicht.

16:39
Durchwegs exzellente Resultate zeigen Proben von sogenannten geschlossenen Filtern.

16:48
Geschlossene Filter sind im Innern, in der Keramikstruktur besser aufgebaut, als die wesentlich ineffizienteren offenen Filter, die in viel geringerem Masse Partikel beseitigen.

17:00
Statement Norbert Heeb, Chemiker EMPA
Ein offener Filter wird Ihnen vielleicht 10 bis 20% der Partikelmasse entfernen. Ein geschlossener - wie erwähnt - diese 99,9 %. Man kann sehr gute Filter einbauen, man kann auch Filter einbauen, die den Namen nicht verdienen.

17:20
Mit dem Massenspektrometer sucht man in Dübendorf vor allem nach chemischen Substanzen, welche sich allenfalls beim Verbrennungsprozess in den Partikelfiltern bilden.
Eine happige Überraschung erlebte man diesbezüglich bei den 3 allerersten Partikelfilter-Proben, die man 2001 prüfte. Sie zeigten im ersten Test tolle Resultate, dann aber kam bei einem kupferhaltigen Filter Ungeheurliches zu Tage:

17:47
Statement Norbert Heeb, Chemiker EMPA
Alle 3 Filter haben diesen ersten Test mit Bravour bestanden, die 99.9% sind da nachgewiesen. Der eine Filter, der Kupferhaltige zeigte aber, dass man Dioxine in so einem System produzieren kann, genauer polychlorierte Dibenzodioxine, also die Stoffe, die seit dem Chemie-Unfall in Seveso Berühmtheit erhalten haben, die können in gewissen Filtern entstehen.

18:17
Die Dioxingefahr ist inzwischen gebannt: In der Schweiz und in der EU sind heute
kupferhaltige Partikelfilter für LKW, PKW und auch für Baumaschinen verboten.

18:32
Im Staub finden sich auch Tiere. Erst seit 40 Jahren weiss man, dass Hausstaubmilben
Allergien auslösen. Sie leben mit Vorliebe in Sofa und Betten. Rund 10 % der Bevölkerung sind darauf allergisch.

18:51
Viele kommen zu spät in eine ärztliche Praxis. Erst dann, wenn Sie schon an Asthma bronchiale leiden.

19:02
Mit einer Lungenfunktionsprüfung wird abgeklärt, wie stark die Atemwege blockiert oder verengt sind.

19:11
Manche Patienten haben oft jahrlang die ersten Anzeichen einer Hausstaubmilbenallergie nicht wahrgenommen.

19.18
Statement Horst Müsken Allergologe/Pneumologe
In der Regel beginnt eine Hausstaubmilbenallergie in den oberen Atemwegen, sprich an der Nase. Der Patient niest, die Nase läuft und ist auch oft verstopft. Oft jucken und tränen die Augen. Das sind so die ersten Symptome einer Hausstaubmilbenallergie, die typischerweise zu jeder Jahreszeit sich bemerkbar machen kann. Sie ist also nicht an den Sommer gebunden, ist im ganzen Jahr durchaus als Symptom da. Im Laufe der Jahre kann dann zu diesem allergischen Schnupfen, vor allem dann, wenn er nicht richtig behandelt wird, ein allergisches Asthma werden. Und dann eben die Kombination Schnupfen und Asthma rundet dann das Bild zur allergischen Atemwegserkrankung durch Hausstaubmilben.

19:56
Mit der Rhinomanometrie ist eine sichere Funktionsdiagnostik der Nasenatmung möglich.

20:04
Zusätzlich unterzieht man die Patienten in der Praxis von Horst Müsken - bei Verdacht auf Hausstaubmilbenallergie - auch noch einem nasalen Provokationstest.

20:23
Man muss ganz sicher sein, dass die Allergie auch wirklich von den Hausstaubmilben und nicht von einem andern Allergen stammt.

20:36
Allergisch ist der Mensch dabei eigentlich nicht auf die Haustaubmilben selber, sondern auf Bestandteile im Kot dieser Tierchen, von denen es verschiedenste Arten gibt. Sie kommen in 90% der Haushalte vor und in einer Matratze findet man durchschnittlich 120.000 Stück davon.

21.00
Sie ernähren sich von menschlichen Hautschuppen.

21:07
Mit dem sogenannten «Pricktest» sieht man auf welche Allergene ein Mensch reagiert.
Kommt es zu einer Hautreaktion, so liegt wahrscheinlich eine Allergie vor.

21:16
Hausstaubmilbenallergien kann man erst seit 40 Jahren testen und behandeln.

21:21
Inzwischen hat man viel gelernt, auch wie Patientinnen und Patienten mithelfen können die allergieauslösenden Teilchen in der eingeatmeten Luft zu reduzieren. z.B. mit milbenundurchlässigen Matratzenüberzüge oder einem trockenen Wohnklima.

21:37
Natürlich hat sich auch in bezug auf Medikamente, die das Leiden lindern, viel verbessert.

21:44
Statement Horst Müsken, Allergologe/Pneumologe
In den letzten 40 Jahren hat sich therapeutisch sehr viel getan, vor allen Dingen durch Cortisonpräparate, die wir im Bereich der Atemwege- sprich der Nase und der Bronchien -lokal einsetzen können als Nasenspray, als Spray für die Bronchien, als Pulver für die Bronchien. Da muss man sagen: Es ist nahezu eine revolutionäre Entwicklung gewesen in den letzten Jahrzehnten, die uns bei der Behandlung von allergischen Atemwegserkrankungen, insbesondere von Asthma, in erheblicher Weise erleichtern.

22:10
In Barntrup bei Bielefeld lebt der Landwirt Frank Wirtz.

22:15
Seit 2 Jahren geht er nur noch mit seinem Atemschutzgerät in die Getreidelagerhalle.

22:23
Er ist froh, dass er seinen Beruf überhaupt noch ausüben kann.

22.30
Auch er leidet an einer Stauballergie und hatte vor 3 Jahren ein schlimmes Erlebnis.

22.43
Auch er hat die Warnsignale rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen übersehen:

22:49
Die Nase lief beim Saubermachen in der Scheune, daran hatte ich mich schon gewöhnt. Das ist schon Jahre vorher so gewesen und da gewöhnt man sich dran. Das ist dann irgendwann normal. Bis es dann eben eine Stufe weitergeht und die Luft bleibt weg. Und dann wird man wach. Das ist schlimmer, als wenn man sich mit dem Hammer auf den Finger haut. Da kriegt man schon Angst.

23:10
Es sind sogenannte Vorratsmilben, die Frank Wirtz zu schaffen machen. Man findet sie in den verschiedenen Stäuben der Landwirtschaft. Vorratsmilben-Allergien werden immer häufiger. Noch weiss man wenig über diese kleinen Tiere. Horst Müsken versucht mit einem Experten-Team Licht ins Dunkel zu bringen.

23:30
Statement Horst Müsken, Allergologe/Pneumologe
Zunächst einmal waren die ersten wichtigen Erkenntnisse, die wir in unserer Arbeitsgruppe gesammelt haben, dass es in der Landwirtschaft eine Fülle von verschiedenen Milbenarten gibt. Es gibt über 40 verschiedene sogenannte Vorratsmilben. Wir konnten dann im Laufe der Jahre mit Extrakten, die dann von uns selbst hergestellt worden sind, die Landwirte untersuchen; Hauttestungen machen, Antikörpermessungen im Blut machen und auch Provokationstestungen durchführen. Und wir haben dann gesehen, dass eine Vielzahl von Landwirten, die wir untersucht haben auf verschiedene Vorratsmilben reagieren nicht nur in der Haut, sondern auch mit den Atemwegen und dadurch krank sind.

24:05
Vorratsmilben finden sich in der Landwirtschaft überall und haben normalerweise eine hohe Populationsdichte. Die Artenvielfalt ist gross: In einem Kuhstall finden sich durchschnittlich 10 verschiedene Arten von Vorratsmilben.

24:21
Die bis heute wirksamste Massnahme für allergische Landwirte ist - neben einer medikamentösen Therapie - das Atemschutzgerät.

24:30
Statement Frank Wirtz, Landwirt
Mit dem Gerät habe ich überhaupt keine Probleme mehr, das filtert ja die ganzen Stäube raus. Ich arbeite nur noch mit dem Gerät in der Scheune. Ich setze es auf, wenn ich vorne rein gehe. Seitdem ich das Gerät habe und in Behandlung bin habe ich überhaupt keine Probleme mehr.

24:46
Bis vor kurzem ging man davon aus, dass Vorratsmilben praktisch ausschliesslich im landwirtschaftlichen Milieu vorkommen.

24:55
Das ist nicht mehr ganz richtig. Immer mehr finden sich Vorratsmilben nicht nur in den Stäuben der Ställe, sondern wie neuere Untersuchungen - bei denen auch Horst Müskens beteiligt ist – zeigen, sind die von Auge unsichtbaren Tiere dabei sich auch in die Städte aufzumachen.

25:13
Hier auf dem Land spielen sie schon heute eine immer bedeutendere Rolle bei den Atemwegs-Erkrankungen.

25:23
In stark belasteter Umgebung nimmt der Mensch 50 Millionen Staubpartikel mit einem Atemzug ein.

25:36
Nach einer Woche schaut das dann in etwa so aus.

25.47
Auch im Kunsthaus Zürich ist man mit Problemen von Staub konfrontiert – allerdings nicht mit gesundheitsschädigenden.

25.55
Hanspeter Marty, leitender Restaurator- sorgt hie und da persönlich dafür, dass im Keller nichts verstaubt.

26:12
Hier unten im Lager hat man keine Besucher und darum auch viel weniger Staub als oben in den Ausstellungsräumen.

26:23
Ab 5.30 in der Früh wird hier entstaubt, was die Besucher am vorherigen Tag alles herein getragen haben.

26:31
Im Sommer ist das weniger als im Winter.

26:36
Für die Werke von Katarina Fritsch gilt dabei dieselbe Regel wie im ganzen Haus. 

26.42
Nicht jedermann darf die Kunstwerke vom Staub befreien. Das Entstauben der Kunst ist allein den Restauratoren vorbehalten.

26:52
Die Giacomettiskulpturen entstaubt man alle 2-3 Monate.
Ein sensible, dem Objekt angepasste Behandlung ist gefragt.

27.05
Statement Hanspeter Marty, Restaurator
Es ist nicht jede Oberfläche gleich zu behandeln. Es muss dann immer vorgängig besprochen werden: Welche Flächen kann man mit was behandeln, mit was berühren, weil jede Berührung ist ein Mechanik und das gibt einen gewissen Abrieb und um den möglichst gering zu halten, nehmen wir hier jetzt z.B. diesen Dachshaarpinsel, um diese Skulpturen hier abzustauben.

27:30
Eine Klimaanlage mit eingebauten Filtern sorgt im ganzen Haus dafür, dass die Kunstwerke ausser durch den von den Besuchern importierten Staub, nicht noch zusätzlich belastet werden.

27:44
Natürlich stellt sich auch immer wieder die Frage, ob ein Bild hinter Glas kommen soll oder nicht; vor allem dann, wenn die Farbapplikation Erhöhungen zeigt, wo Staub hängen bleiben könnte.

27:57
Bei der berühmten Gotthardpost hat man lange diskutiert und sich dann für das Glas entschieden.

28:04
Es gab verschiedene Argumente die dafür sprachen, das Gemälde von Rudolf Koller zu verglasen.

28:11
Statement Hanspeter Marty, Restaurator
Es ist einerseits ein Schutz, aber natürlich es hat auch gewisse maltechnische Sonderheiten, die man mit diesem Glas sehr gut schützen kann. Es ist einfach ein geringerer Klimawechsel
und das hält auch diese ganzen Schichten stabiler.

28:29
Trägt die Zauberkiste von Hanspeter Marty – so fragt sich der Laie - nicht dazu bei, dass immer mehr Patina aus dem Museum verschwindet, die doch - gerade bei älteren Kunstwerken - gefragt ist?

28:41
Statement Hanspeter Marty, Restaurator
Das ist zwar richtig. Aber das Alter hilft sowieso der Patina. Also man versucht hier die mechanische Berührung von diesen Goldflächen natürlich so gering wie möglich zu halten.
Das heisst man macht so Viel wie nötig und so Wenig wie nötig. Sie sehen das dann
an diesen höchsten Flächen und dort, wo es am häufigsten gereinigt wird. Da sind schon gewisse Goldabreibungen, sei es nun durch die Mechanik oder eben auch mal durch falsches Reinigen. Weil manchmal meinen es die Putzleute gut und gehen dann mit einem feuchten Lappen drüber, das ist für ein Glanzgold Gift. Das geht sofort weg.

29:29
Moderne Werke, so wie dieses von Georg Baselitz sind für Restauratoren besonders heikel.
Natürlich setzt sich auch auf diesen modernen Bildern und Skulpturen Staub ab. Aber man getraut sich nicht im selben Mass wie bei den älteren Werken Hand anzulegen.
Hier hat Sigmar Polke so etwas wie gelben Staub aufgetragen. Solche Kunstwerke will man – wenn es irgendwie geht – gar nicht touchieren.

29:25
Statement Hanspeter Marty   Restaurator
Jede Berührung bei solchen Flächen, bei diesen monochromen Flächen, bei diesen extrem matten Flächen, da gibt es bei jeder Mechanik gibt es irgendeine Wischspur, die dann unter Umständen viel störender ist als jeder Staub, der in dieser hängenden Fläche überhaupt an der Oberfläche wäre. D.h. dort versucht man dann vielleicht mit Blasen, mit Luft irgendwie ein bisschen den Staub wegzumachen. In so einem Fall kann man überhaupt nichts machen. In der Regel sind diese Flächen tabu.

30:32
Wieviel Staub soll man in Museen entfernen? Soll man Kunstwerke überhaupt vor dem Alterungsprozess schützen? Oder soll man den Staub nicht besser einfach liegen lassen?
30:45
Staub steht für Vergänglichkeit, aber auch für Entstehendes.
30:55
Staub ist der Anfang von allem, aber auch das Ende.


Swiss made:

1:06
Nicht weniger als 72 Wasserfälle findet man im Lauterbrunnental im Berner Oberland.

1:17
Das landschaftlich einmalige Tal zieht seit Jahrhunderten Besucher aus nah und fern an.

1:24
„Lauter“ steht bei Lauterbrunnen für „klar“ und mit den „Brunnen“ sind die „Bäche“ gemeint, die allesamt in die Weisse Lütschine fliessen.

1:37
Peter Brunner ist Präsident des Heimat-Museums.

1:42
Mit dem berühmtesten Wasserfall im Tal, dem Staubbachfall, beschäftigt er sich schon lange und er weiss natürlich auch wann – bei welcher Wetterlage -  er am aller schönsten stäubt.

1:55
Statement Peter Brunner, Tal-Historiker
Wir sehen auf diesem Foto, wie der Bach, der Wasserfall stäubt. Und zwar ist es bei dieser Aufnahme die Bise, der Nordwind, der den Fall ins Talinnere hinein windet und dann richtig zum Stauben bringt. Ganz im Gegensatz, wenn der Föhn die Szenerie beherrscht, der kommt dann vom Talhintergrund nach vorne, der windet das Wasser bergwärts. Das Wasser fällt gar nicht erst hier zu Boden, sondern es wird weit im Norden vom Dorf Lauterbrunnen in Form von leichtem Regen, von Staub  fällt es dann zur Erde nieder.

2:38
Die feinen staubartigen Tröpfchen, die entstehen, wenn das Wasser der tosenden Sturzbäche auf den felsigen Untergrund treffen und sich das Wasser quasi in Staub auflöst, sind in diesem Tal schon seit Menschengedenken ein alltägliches Naturschauspiel.

2:57
Im Heimatmuseum sind Zeugnisse zu sehen, die von Zeiten im Lauterbrunnental erzählen, als das Leben als Bergbauern noch hart und entbehrungsreich war.

3:11
Schon früh hat man aber auch angefangen Betten zu vermieten, z. B. an jene, die gekommen sind um den Staubbachfall zu besuchen und zu fotografieren oder etwa auch zu malen.
Wie hoch das Wasser herunterstürzt, hat die Gemüter schon vor Jahrhunderten beschäftigt, so auch einen Berner Pfarrer im Jahr 1776.

3:35
Statement Peter Brunner, Tal-Historiker
Mit der Hilfe von Einheimischen hat er dann diesen Fall ausgemessen. Mit einer Schnur und einer kleinen Eisenkugel.
Die waren oben auf dem Punkt, wo das Wasser hinausschiesst und die haben damals die Höhe mit 900 Berner Schuhen festgelegt. Das sind etwa 300 Meter.

 


3:56
Der Staubbachfall galt lange als der höchste freifallende Wasserfall der Schweiz. Seit kurzem weiss man, dass er exakt 297m tief stürzt und dass der Serenbachfall in Amden mit 305m der Höchste ist.

4:09
Statement Peter Brunner, Tal-Historiker
Wir lassen uns keine grauen Haare wachsen, wenn er nicht mehr der Höchste ist. Dafür ist er ganz bestimmt der Faszinierendste.

4:18
Das wussten auch schon die Maler und Schriftsteller, die im 18. Jahrhundert nach Lauterbrunnen reisten.
Wohl den berühmtesten Besuch erhielt das Dorf 1779, als Johann Wolfgang von Goethe hier sein berühmtes Staubbach-Gedicht den «Gesang der Geister über den Wassern» geschrieben hat.
4:40
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

4:51
Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.

5:09
Goethe wurde aber –so meint Peter Brunner- auch noch weiter hinten im Tal vom Schmadribachfall inspiriert, wo er auf einer Wanderung war.

5.19
Statement Peter Brunner, Tal-Historiker
Er ist also bergwärts gestiegen Richtung Tschingelgletscher und er ist auf der rechten Seite des Wasserfalles
hinaufgegangen bis an den Gletscher. Er war viel näher, wie wir jetzt sind, dort wo es so richtig schäumt und wogt und spritzt
und staubt. Und ich kann mir gut vorstellen, dass er sich hier von diesem gewaltigen Naturschauspiel ebenso hat inspirieren lassen für sein Gedicht, wie vorne im Tal.

5:48
Inspiration, Erholung, ein Naturerlebnis, das suchen Touristen im  Lauterbrunnental bis heute.

6:55
Die eisigen Gletscher und die tosende Wasserfällen und sind nach wie vor eine grosse Attraktion.

6:05
Beim Staubbachfall hat man vor ein paar Jahren eine Galerie gebaut.
Die Gäste sollen den Wasserfall möglichst hautnah erleben.

6:17
Der in den Felsen gehauene Weg führt bis zu jenem Punkt, wo der Staubbachfall normalerweise – bei Windstille - herunter stürzt.

6:24
Heute trägt die Brise den Staubbachfall etwa 30m Richtung Süden. So bleibt man als Besucher trocken und kann sich an dem Spiel von Wind und Wasser freuen.

6:32
Eindrückliche Kräfte spielen hier und erinnern an Goethes Worte:

6:42
Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

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