01:03
Dieses Automobil, ein SS 90 aus dem Jahr 1935, war der erste Prototyp und Vorvater aller Jaguar Renn- und Sportwagen.
Nur ein einziges Modell mit dem wunderschönen runden Insektenheck wurde je gebaut.
Der Schweizer Christian Jenny hat das Auto mit grossem Aufwand restauriert, das heisst heute vor allem, dass es wieder in einen möglichst originalen Zustand zurückversetzt wird.
01:35
Ursprünglich war das Auto zum Einsatz in der Rallysaison 1935 bestimmt.
02:00
In der Oldtimergarage des Schweizer Jaguarimporteurs Emil Frey wurde das Auto gerade einem letzten Check unterworfen.
02:21
Christian Jenny besitzt die weltweit vollständigste Sammlung von Jaguar Sportwagen.
Er freut sich immer, seine Automobile einer interessierten Öffentlichkeit zu zeigen. Ein solcher Termin steht an. Und obwohl der SS 90 Prototyp tadellos auch auf eigener Achse fährt, wird er vorsichtig für den Transport über die Alpen im Camion festgezurrt.
02:45
Die Reise geht an den Comersee, im Städtchen Cernobbio nur wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, liegt eines von Europas exklusivsten und diskretesten Luxushotels, die Villa d’Este. Hier steigen seit über x Jahren Staatsoberhäupter und Stars ab. Und seit 1929 sind hier auch immer wieder die schönsten Autos der Welt zu bewundern.
03:10
Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„Die Veranstaltung hier in der Villa d’Este hat deswegen diese Bedeutung, und es ist nach meinem Dafürhalten, die wichtigste in Europa, weil sie sehr professionell und liebevoll von Jean-Marc Droulers, dem Besitzer und seinem Hauptpartner BMW geführt wird. BMW hat mit dem Geld und der Power, die dieses Unternehmen besitzt einfach dafür gesorgt, dass eine Plattform geschaffen wurde, zu der Sammler aus der ganzen Welt herkommen. Es ist eine seriöse Veranstaltung; wo der Sammler weiss, dass er auf ein Publikum trifft, das in der Lange ist, zu bewerten und zu würdigen, was ihm gezeigt wird. Und es ist auch eine Jury da, die auch den Ruf und die Reputation hat, dass sie diese Autos korrekt beurteilen kann, dass sie einfach in der Lage ist, diese Autos in den richtigen Kontext zu stellen und zu bewerten. Und auf dieser Plattform können sich alle tummeln, die interessante Autos haben. Das ist das Geheimnis der Villa d’Este.“
04:18
Unmittelbar nach dem Eintreffen in der Villa d’Este wird jedes einzelne Fahrzeug auf Zustand und Authentizität überprüft. Diese Fahrzeuge sind so wertvoll, dass auch Nachbauten, ja gar Fälschungen existieren – teilweise so perfekt gemacht, dass sie kaum zu unterscheiden sind, schon gar nicht von blossem Auge.
04:38
Dominik Fischlin
FIVA Expert
„Im Auftrag der FIVA, das ist die ‚Féderation Internationale des Véhicules Anciens’, sind wir vom Veranstalter verantwortlich, dass die Fahrzeue dem jeweiligen Reglement entsprechen. Aufgrund der Erfahrung ist die Villa d’Este der wichtigste Event in Europa, wahrscheinlich weltweit, weil die Originalität, d.h. die Authentizität des Fahrzeuges im Vordergrund steht. Natürlich die Eleganz, das Outfit, die Geschichte des Fahrzeuges – das alles zählt auch.“
05:12
Dann kommt auch Christian Jenny mit seinem SS 90 im Mekka der schönen Automobile an. Es ist ein Ritterschlag für jedes Fahrzeug, das zum Wettbewerb in der Villa d’Este zugelassen wird. Die Anzahl der Bewerber übersteigt diejenige der erhältlichen Plätze jedes Jahr um ein Vielfaches.
Auch bei Jenny’s Auto stimmen die Motor- und Chassis -Nummern mit den Aufzeichnungen des Firmenarchivs überein.
05:42
Dann fährt einer der Favoriten auf den Gesamtsieg ein: Ein wunderschöner Lancia Astura aus dem Jahr 1938 – Art Déco auf vier Rädern.
05:53
Klaus Edel
Lancia, Astura, 1938
„Das Auto ist 1953 kaputt gegangen. Das ist eine Lancia Krankheit: Die Wasserpumpe ist im Motor und die Dichtungen gehen schon mal kaputt. Seitdem hat es quasi in Belgien gestanden, wo es von mir aufgefunden wurde. Ich habe es dann während acht Jahren restaurieren lassen, so dass es eigentlich immer noch im originalen Zustand ist. Der Lack ist zwar neu gemacht, aber es ist die gleiche Farbe, die er ursprünglich gehabt hat und das Interieur ist noch original und ansonsten ist auch an der ganzen Karosserie bis auf ganze kleine Klitzekleinigkeiten nichts dran ergänzt.“
06:34
Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„Die normalen Leute, die man hier trifft mit den unglaublichsten Autos, sind reizend, sind freundlich. Sie lieben ihre Autos, sie sterben für ihre Autos. Sie restaurieren diese Autos. Sie bemühen sich irgendwoher ein Stückchen Stoff zu finden, das damals in ihrem Auto drin gewesen ist und das wird dann nachgewoben. Im positiven Sinne sind es Wahnsinnige und es macht unglaublich Spass, hier dabei sein zu dürfen.“
07:00
Nach der Inspektion werden die einzigartigen Fahrzeuge in die Tiefgarage des Hotels gefahren.
07:14
Jurymitglied Jürgen Lewandowski macht sich dort schon einmal auf eine erste Erkundungstour.
07:22
Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„Und mir gefällt die Farbkombination. Ist die original?“
07:31
Ferrari, 250 GT Europa, Coupé Pinin Farina, 1955
Kenneth Roath
„Ja, absolut. Wir haben genau recherchiert beim Karosseriebauer Pininfarina.“
Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„Sie sind erst vor zwei Tagen mit der Restaurierung fertig geworden?“
Kenneth Roath
„Ja, und ich habe solche Freude am Auto.“
Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„Das Auto ist es wert, absolut!“
07:46 Momo, Mirage, 1972
07.47
Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„Warum haben sie ihr eigenes Auto gebaut?“
Peter Kalikow
Momo, Mirage, 1972
„Ach was weiss ich? Ich war damals 25.“
Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„Und wollten immer schon ihr eigenes Auto bauen?“
Peter Kalikow
Momo, Mirage, 1972
„Ich konnte es nicht erwarten. Und er fährt sich noch immer gut. Ich hatte ganz vergessen, wie gut er fährt.“
08:10
Wenige Meter entfernt schrauben die Mechaniker von Aston Martin an einem etwas moderneren Gefährt herum.
08:18
Ulrich Bez, der CEO von Aston Martin, hat die Veranstaltung an der Villa d’Este gewählt, um seinen Über-Aston, den One-77, zum erstenmal in einer fahrbaren Version einer interessierten Öffentlichkeit vorzuführen...
08:30
Ulrich Bez
CEO Aston Martin
„Wir betrachten das ja auch ein bisschen als ein Stück Kunst. Das ist nicht ein Auto, mit dem man dann zum Einkaufen fährt. Aston Martin ist eine sehr spezielle Marke. Der Aston One-77 ist noch viel spezieller innerhalb der Marke und die Villa d’Este Veranstaltung ist in dem weltweiten Kontext von Concours d’Elégance etwas sehr Spezielles und sehr Persönliches und deshalb ist das eigentlich für uns die richtige Veranstaltung so eine Auto zum ersten Mal der Öffentlichkeit zu zeigen.“
09:02
Der grosse Tag ist erst morgen und deshalb müssen die Autos jetzt ihren Schönheitsschlaf bekommen. In der Tiefgarage ruhen heute Nacht vielleicht rund 100 Millionen Franken.
09:14
Der nächste Morgen bringt strahlendes Wetter am Comersee.
Die Villa d’Este ist an diesem Samstag nur den Wettbewerbsteilnehmern und geladenen Gästen zugänglich.
09:29
Schon am frühen Morgen werden alle Autos nach einem ausgeklügelten Plan auf dem Kiesplatz im Hotelpark für die Juryierung aufgestellt. und hergerichtet.
09:43
Charles Morgan
CEO Morgan
„This event particularly, more than any other in the world, ist he Concours to come to if you’re car stylist. There’s the whole education of car styling here today and it’s the best, the very, very best. It’s judged that the cars here really made a difference and had an influence.
For anybody interested in car design, they must come here. It’s an incredibly important event. To see how car design has developed over the last 100 years.“
„Das hier ist die wichtigste Veranstaltung, wenn sie ein Autodesigner sind. Hier lässt sich die ganze Entwicklung des Designs studieren, und es sind nur die aller-, allerbesten Autos hier: Diejenigen, die eine Epoche beeinflussten.
Es ist eine unglaublich wichtige Veranstaltung, um zu sehen, wie sich Automobildesign in den letzten Hundert Jahren entwickelt hat.“
10:13
Franz-Josef Paefgen
CEO Bentley and Bugatti
„Also ästhetisch, glaub ich, ist die Vergangenheit der Gegenwart inzwischen überlegen. Wir haben durch gesetzliche Vorschriften und andere Randbedingungen gegenwärtig so enge Grenzen, dass wir heute gar nicht mehr so frei gestalten konnten wie damals. Aber auch so Kleinigkeiten, wie zum Beispiel Farbe oder Stoffe: Es gibt unglaubliche, aus dem Zeitgeist entsprungene Beispiele hier. Da können wir viel von lernen heute. Persönlich bin ich überzeugt davon, dass man mit diesen Marken ohne Geschichte keine Gegenwart und keine Zukunft hat. Die Marken leben vom Design der Vergangenheit, von technischen Inhalten, von vielen kleinen Geschichten. Ich glaube, die Leute kaufen das bei den modernen Autos mit und sind dann froh, Teil dieser Geschichte zu werden. Deswegen, glaub ich, ist es sehr wichtig, eine Geschichte zu haben.“
11:05
Charles Morgan
CEO Morgan
„Everybody now wants something that is special, that is limited in numbers. Luxury now is not limited, very often it is not limited. It is made in China and it’s not authentic. But in these days it was limited, it was original and it was authentic and it was the work of great designers, great artists, creating a sculpture on wheels if you like. So this is romance, this is the theatre of motoring.“
„Alle wollen heute etwas Besonderes, etwas Limitiertes. Doch heute ist Luxus nicht limitiert: Er kommt vielleicht aus China und ist nicht authentisch. Aber damals war er das und diese Autos waren das Werk grossartiger Designer, Künstler, die eine Skulptur auf Rädern entwarfen. Es ist eine Bühne für die Kunst des Automobils.“
11:27
Seine Persönlichkeit kann man mit goldenen Schuhen oder vorzugsweise auch dem richtigen Gefährt ausdrücken. Für viele Sammler ist die Wahl ihres Fahrzeuges mit Kindheits- und Jugenderinnerung verbunden.
11:42
René Herzog
Bentley, R Continental 1953
„Ja, das ist ein Bentley Continental von 1953. Das Auto wurde nur in etwa 200 Exemplare gebaut. Es war damals das teuerste Luxusauto und die schnellste viersitzige Limousine und es ging schon über 180 Stundenkilometer. Es war absolut das elitäre Fahrzeug. Agha Khan und Agnelli haben das Auto damals gefahren und besessen.“
12:16
Derweilen geht die Jury von Auto zu Auto. Das Öffnen der Motorhaube und Anlassen des Motors gehören immer mit zum normalen Ablauf.
Rolls-Royce, Phantom I, Sedanca Town Car, 1933
12:31
Bentley 8 Litre, Sportsman Coupé, 1931
Dieser Bentley fährt noch immer sagenhafte 160 Stundenkilometer und legte den gesamten Weg von Holland nach Italien auf eigener Achse zurück...
12:46
Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„Dieses Auto wurde wirklich auch auf Rennstrecken gefahren. Ein Formel 1 Auto in einer Strassenversion.“
„It’s really one of these cars that were used on the race track. It’s like a Grand Prix car in a street version.“
12:55
Jon Shirley
„A sort of a second level Grand Prix car.”
“Ja, so in der Art.”
13:02
Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„It’s race car in disguise.“
“Ein verkleideter Rennwagen.”
„That’s the famous car that was so many years in South Africa?“
“Ist das das berühmte Auto, das so lange in Südafrika war?”
„How’s driving it?“
“Wie fährt er sich?”
13:10
Jon Shirley
„Wonderful.“
Jon Shirley
Alfa Romeo 8c 2900B, 1938
„It has completly independent suspension in 1938. An overhead camshaft, dual super-chargers. It goes 120 mph. This as easily as driving around in traffic. Technically it appealed to me a great deal.”
“Er hat bereits 1938 rundum Einzelradaufhängung! Eine obenliegende Nockenwelle und zwei Kompressoren. Technisch hat er mich sehr beeindruckt.”
13:28
Nach jeder Besichtigung zieht sich die Jury zur Beratung und Benotung zurück.
13:35
Natürlich ist der Concorso nicht ohne Eitelkeiten. Darum gibt es in jeder der insgesamt acht Fahrzeugkategorien einen Preis zu gewinnen. Dazu kommen verschiedene Sonderpreise.
13:40 Auburn, 852SC, 1936
13:48
Dieser Auburn aus den USA etwa nimmt in der Klasse der offenen Vorkriegsfahrzeuge am Concours teil.
14:00
Der Jury gefällt das extravagante Fahrzeug sehr.
49 historische Automobile nehmen am Concorso teil und alle wollen sie gesehen und bewertet werden.
Verantwortlich für die Auswahl der Fahrzeuge ist der Schweizer Automobilhistoriker Urs Paul Ramseier. Ohne ihn gäbe es den Concorso in dieser Form wohl kaum.
14:24
Urs P. Ramseier
Selecting Adviser
„Meine Aufgabe hier, ist die Selektion der Fahrzeuge. Das ist natürlich eine sehr schöne Aufgabe, aber auch eine Herausforderung, dieses Niveau zu halten und wenn möglich zu steigern. Nach dem grossen Erfolg in den letzten Jahren, ist die Reputation des Events sehr, sehr hoch und es ist heute schon eine Ehre, hier zu sein. Die Autos, die hier ausgestellt werden, sind sozusagen dann geadelt, in Anführungszeichen, und das ist natürlich schon auch eine Triebfeder. Aber hier auch die Stimmung gut, und die Menschen sind glücklich und wir haben auch die neuen Autos. Und so kann man den Bogen spannen von der Geschichte her und das ist wirklich toll.“
15:04
Die kleine Ausstellung von Concept Cars und Prototypen bietet Skurriles: Das Zukunftsauto aus den 50er Jahren – wie aus einem Star Trek Film. Angetrieben wird das Auto von einer Hubschrauberturbine. Definitiv kein Sparmobil. Vorsicht!
15:35
Der iChange von Rinspeed – wahlweise ein Ein- oder auch Dreiplätzer. Nein, dieses Auto von Rinspeed taugt nicht als U-Boot.
15:47
Veranstalter BMW präsentiert den Gina im Retro-Look. Harte Schale, weicher Kern? Nein, hier ist es gerade umgekehrt.
Gina ist federleicht...
16:08
Bei den Wettbewerbsteilnehmern ist die Jury mittlerweile durch.
Aber eine Geschichte gibt es noch zu erzählen...
Seit mehr als einem Dreivierteljahrhundert sitzt Gräfin Roberta Kechler zum ersten Mal wieder im Auto ihres Vaters, in dem sie schon als Kind gesessen hatte.
Auch ihre emanzipierte Mutter fuhr in den 30ern mit dem Fahrzeug...
16:36 ...deren Mutter wiederum fuhr Anfang des 20. Jahrhunderts bereits Autorennen und dies durchaus erfolgreich wie diese Pokalübergabe beweist.
Doch schliesslich verkauften ihre Eltern den Alfa – und seit 45 Jahren gehört er der Familie von Gabriele Artom, der ebenfalls als kleines Kind in dem Alfa mitfuhr.
Hier am Concours treffen sich die beiden zum ersten Mal und schwelgen in Kindheitserinnerungen...
17:02
Gabriele Artom
Alfa Romeo 6C 1750 GTC, 1931
„She was so teeny-tiny when this car belonged to her family which is something she still as the feeling when they sold the car. It was very emotional for her. And my family owns the car since 45 years when my father bought it. So I can say I had the same feeling: For when I was a child I was behind like she was. So I can say this is the similiarity which we have together.“
„Sie war noch ein ganz kleines Kind, als das Auto ihren Eltern gehörte. Trotzdem erinnert sich noch als das Auto verkauft wurde, weil das so ein emotionaler Moment war für sie. Seit 45 Jahren gehört das Auto meiner Familie. Ich habe also dieselben Erinnerungen, wie Roberta auch: als Kind auf dem Rücksitz...“
17:30
Das Besondere an dem Alfa ist, dass das Auto als eines der ganz wenigen hier, nie restauriert wurde und sich noch im absoluten Originalzustand befindet.
Dann ist die Parade eröffnet und der Alfa bekommt den Jury-Preis für das beste original erhaltene Auto des Concours. („best preserved car“).
17:58
Es folgt ein roter Alfa aus dem Jahre 1933.
18:01 Alfa Romeo, 6C 1750 GS, 1933
18:07 Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„Was man heute unter Concours d’Elegance versteht, sind ja hochgestochene Veranstaltungen, wo man tolle, alte Autos sieht. Der Grundgedanke damals war ein völlig anderer: In den 20er Jahren ging das ganze los. Also früher gab es einfach Events, bei denen es um Eleganz gang, bei denen es um Stil ging, und die Auto- und Karosseriefirmen haben damals ihre neuesten Automobile gezeigt. Damals wurden ja sehr, sehr viel Autos als Chassis verkauft und du bist dann zu Zagato, oder zu Oinin Farina oderzu wem auch immer und hast dir deine Autos draufbauen lassen.
Und dann wurde ein Gläschen getrunken und die Mädels haben sich Mode angesehen.
Und am Schluss kam dann eben ein ‚best of show’ raus und es war ein grosser edler Laufsteg. Damals gab es ja noch keine Autos, die 50 oder 80 Jahre alt waren. Das war Gegenwartsdesign. Da ist ja heute etwas ganz Anderes draus geworden. Wir sehen ja hier alte Autos. Hier gibt es schlicht und einfach einen Concours an einem Ort wie vor 80 Jahren. Vor 80 Jahren sind die Autos hier schon vorbeigefahren und heute fahren sie wieder vorbei. Und das Publikum ist sehr mondän und sehr elegant. Und die Leute haben eine Freude daran, ihre Autos, ihre Unikate zu zeigen, die man ansonsten nicht, oder ganz selten, zu sehen bekommt.“
20:04
„Wir kommen nach Deutschland – ein Mercedes 500 K – sehr repräsentativ.“
20:15
„Absolut, er war sehr populär bei der damals regierenden Partei, bei Aristokraten und Industriekapitänen.“
20:27
Gil Noble’s Bugatti gewinnt den Preis der Jury für das aufregendste Design.
20:46
Dieser Bugatti ist sein ganzes Leben lang in derselben Besitzerfamilie geblieben.
21:12
Der Alfa Romeo 8C 2900 von 1938 - damals der leistungsstärkste Supersportwagen. Dann kam der Krieg und es gab lange keinen besseren Sportwagen mehr.
21:27
Der Lancia Astura mit der Karosserie von Boneschi ist auch ein wichtiger Zeitzeuge und gewinnt in seiner Kategorie der „Vorkriegs-Cabriolets“.
21:32
Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„Bei der Parade schaun wir uns die Klassensieger an und überlegen, wer ‘best of show’ werden könnte. Manchmal ist es klar, wer ‘best of show’ wird, aber es gab auch schon Jahre, wo wir bis Sonntag Abend, eine Stunde vor der Preisverleihung, uns noch nicht einig waren.”
21:48
René Herzog’s Bentley aus dem Jahr 1953. Luxus und doch Understatement. Hier gilt es vor allem auch das elegante Heck zu bewundern.
22:03
Dann kommen die Italiener: Lamborghini’s lange unterschätzter Klassiker, der Miura. Schon 1969 über 300 Stundenkilometer schnell.
22:13
Und aus Modena’s Edelschmiede Maserati: Der A6G, ein Rennwagen, der 1955 auf den Markt kam.
22:34
Und zurück zu Lamborghini: Der 350 GT ist der erste Lamborghini, der je einem Kunden verkauft wurde. Und: Er bietet Platz für eine ganze Familie...
22:45
Der Ferrari 250 GT Europa. Das Auto beeindruckt mit seiner zurückhaltenden Eleganz und gewinnt den Spezialpreis der BMW Classic Group.
22:58
Ein grosser Auftritt für Steve McQueen’s Ferrari!
23:08
Eine beneidenswerte, aber keine einfache Aufgabe für die Jury: Welches Auto wird ‚best of show’?
23:15
Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„Es gibt drei Favoriten. Schauen wir mal!”
23:21
Am Abend klingen die Gläser. Die stolzen Fahrzeugbesitzer sind mit Anhang zu einem Galadinner im Theater der nahen Stadt Como geladen. Mit Champagner und Canapés stehen sie auf der Bühne des Theaters.
23:55
Und dann schreitet man zum Dinner - in den festlich gedeckten Zuschauerraum.
24:12
Der nächste Tag - an dem die Preziosen der Öffentlichkeit zugänglich sind - präsentiert sich weniger glamourös. Regenwolken sind aufgezogen und die schönsten Autos aller Zeiten stehen, wo sie nicht stehen sollten: Im Regen.
24:30
Bugatti nutzt die Gelegenheit, annlässlich des 100jährigen Firmenjubiläums eine kleine Sondershow zu zeigen.
24:45
Trotz des strömenden Regens finden sich viele Automobil-Enthusiasten im Park der Villa d’Erba ein. Und ihre tatkräftige Mitarbeit wird auch benötigt...
24:54
Daniel Marachin
Bugatti 101, 1951
„Ich glaube, es ist vielleicht der allerletzte Bugatti, der noch in der alten Fabrik konstruiert wurde. Ich liebe es, Autos im Originalzustand zu finden. Für mich ist es deshalb bewerkenswert, dass sich das ganze Interieur noch im Originalzustand befindet. Vom Leder bis über die Sitze, vom Armaturenbrett und dem Lenkrad bis hin zur Gangschaltung ist alles original. Und auch der Motor ist original! Ich musste nur noch dafür sorgen, dass er anspringt – und er läuft übrigens sehr gut. Das Auto ist ziemlich schwer und gross und trotzdem lässt er sich erstaunlich leicht und mit grossem Vergnügen manövrieren – da ist eben das Genie von Ettore Bugatti noch immer spürbar.“
25:47
War die Linienführung der Automobile früher wirklich schöner? Oder vermögen wir edle Formen aus der Vergangenheit einfach besser zu würdigen als Gegenwartsdesign?
Ist die Gegenwart wirklich profaner geworden? Oder sind wir nur sentimental?
26:03
Ian Cameron
Design Director, Rolls-Royce
„Wie alles Schöne, können Sie es immer und immer wieder betrachten und Sie werden jedes Mal neu inspiriert. Wenn Sie Design und Automobile lieben, ist es hier immer inspirierend.“
26:21
Ian Cameron ist die gestaltende Kraft hinter dem nicht unumstrittenen Design von Rolls-Royce. Die Marke befindet sich in einen Umbruch: Erstmals verkauft sie mehr Autos in China als in Grossbritannien und 80% ihrer Kunden kaufen zum ersten Mal einen Rolls-Royce.
26:42
Ian Cameron
Design Director, Rolls-Royce
„Hoffentlich stehen die Autos, die wir heute produzieren, in 50 Jahren auch einmal hier. Sie müssen die Autos immer im Kontext ihrer Zeit sehen. Die Autos, die uns hier so gefallen, mussten nicht alle die Auflagen erfüllen, die uns heute gemacht werden. Wenn Sie diese Oldtimer fahren, merken sie, dass sie aus einem anderen Jahrhundert stammen. Es kommt also darauf an, was Sie wollen.“
27:15
Auch an diesem Tage paradieren noch einmal alle Preziosen vor Publikum und Jury vorbei.
Solche Fahrzeuge fahren nicht jeden Tag herum und schon gar nicht im Regen – diese Bilder haben also Seltenheitswert.
28:05
Am Abend des letzten Tages versammeln sich die Teilnehmer des Concorso zu ihrem letzten Dinner in der Villa d’Este. Viele kommen jedes Jahr zu diesem Anlass und man kennt sich in der Szene. Die Spannung ist gross, denn noch weiss keiner, wer gewonnen hat.
28:20
Draussen regnet es noch immer. Zur selben Zeit begibt sich Urs Paul Ramseier in die Tiefgarage. Das Siegerauto muss bereitgestellt werden. Fast jeder Teilnehmer lässt sich von einem sachkundigen Mechaniker begleiten, der das Fahrzeug betreut.
Und hier steht er bereit mit dem ‚best of show’: Dem Alfa Romeo 8C 2900 von 1938.
29:06
Nachdem das Auto im Park in Stellung gebracht wurde, wird im Saal endlich der Sieger verkündet.
29:17
Jon Shirley und seine Frau strahlen vor Freude.
29:35
Der Applaus ist ehrlich. Die Wahl des Alfas wird allgemein gut geheissen.
29:45
Ein Feuerwerk über dem Comersee bildet den würdigen Abschluss des Events.
29:59
Jürgen Lewandowski
Jury Concorso d’Eleganza
„Wenn Rarität, Eleganz, Historie und Sound zusammen kommen, wenn das alles passt... Jedes andere Auto zu wählen, wäre dem Gewinner gegenüber, unfair gewesen. Jon Shirley ist ein glücklicher Mann: So ein Auto zu besitzen, muss schon etwas Besonderes sein.“
30:25
Jon Shirley
Alfa Romeo 8C 2900 B
„Das ist sicher der prestigeträchtigste Concours in Europa, wenn nicht in der ganzen Welt. Für uns ist das sehr speziell, denn er befindet sich an einem wunderschönen Ort, an den wir sehr gerne kommen. Jetzt kann ich das Auto nirgends mehr vorführen: Es war an den besten Veranstaltungen und hat sie alle gewonnen.“
30:50
Und so geht die Veranstaltung zu Ende: Schönheit kennt kein Krise.