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Die Geheimnisse des brennenden Steins: Bernstein

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01.17
Statement Elizabeth Mendoza, Kunstschmiedin:
«In Mexiko gilt Bernstein als Schutz vor schlechten Einflüssen, vor bösen Geistern und vor dem bösen Blick.»

01.35
Statement Nelson Fulgencio, Bernsteinhändler:
«In der Dominikanischen Republik ist Bernstein ein Glücksstein. Und es gibt eine schöne Geschichte, die sagt, dass man früher im Norden der Insel, wenn jemand gestorben war, Bernsteinstaub verbrannte. Und dieser Wohlgeruch habe die Insekten ferngehalten.»

02.03
Statement Elena Biriutchinskaya, Direktorin JSC Amber Juwellerprom:
«Kaliningrad, die Gegend rund um das frühere Königsberg, ist das Mutterland des Bernsteins. Ich würde sogar sagen, wir sind im Grunde genommen die einzigen Anbieter auf dem Bernsteinmarkt. Natürlich gibt es auch beispielsweise den ukrainischen oder den kolumbianischen Bernstein, aber davon gibt es eigentlich keine Fakten und Zahlen.»

02.28
Statement Wolfgang Weitschat, Geol.-Paläont. Inst. Universität Hamburg:
«Der Name ist relativ jung, das ist von Börnstein, von dem Börnen. Börnen war Mittelhochdeutsch brennen. Bernstein kann man anzünden, er brennt sehr lange, sehr schön mit flackernder Flamme und riecht auch gut. Unsere Vorfahren an der Nordseeküste, die haben damit sogar im Winter die Kerzen ersetzt, die es damals noch nicht gab. Und man hat quasi mit Bernstein sein Häuschen innen quasi nicht nur beleuchtet sondern auch gut riechen lassen.»

«Bernstein ist kein Stein, er ist nicht so hart, auch kein Mineral, sondern ein Naturprodukt, ein fossiles Harz, das sich aus mehreren Kohlenwasserstoffen zusammensetzt. Und die Pflanzen, die solche Harze produzieren, die müssen eben viel Harz ausscheiden und diese Harze müssen schnell fest werden. Das interessanteste an Bernstein ist, dass er nie in einem Waldboden liegen würde, was man denken würde. Der wird ja ausgeschieden als Harz, fällt in den Waldboden, aber er muss dann durch Flüsse oder durch starke Regenfälle aus dem Waldboden raus, muss möglichst bald aus so einem ehemaligen Bernsteinwald in Grundwassernähe kommen, da er sonst relativ schnell kaputt geht. Und man findet ihn in der Regel zusammen mit Haifischzähnen und marinen Schnecken. Und das hat die Wissenschaftler im 17., 18. Jahrhundert sehr irritieren müssen: da sie wussten, es ist ein Harz, wieso kommt es aus dem Meer und wieso sind denn da, wenn es aus dem Meer kommt, Fliegen, Mücken, Moos, Blätter, Blüten drin? Wir kennen vom baltischen Bernsteinwald als solchem nur seine fossilen Harze.»

04.14
Auch solch kleine fossile Harze, die täglich zu Tausenden an der Ostseeküste von Kaliningrad angespült werden, sind Zeugen des seit über 50 Millionen Jahren verschwundenen Bernsteinwaldes. Schon allein durch ihr hohes Alter verdienen selbst die kleinsten Steinchen den Adelstitel Bernstein. In Anführungszeichen «junges» fossiles Harz wird Kopal genannt.

04.37
Statement Wolfgang Weitschat, Geol.-Paläont. Inst. Universität Hamburg:
«Den Strich ziehen wir einfach bei einer Million heute. Wir sehen also, dass es heute Bäume gibt, die immens harzen, und das Harz sehr schnell fest wird; nach 50 Jahren schon im Madagaskarkopal hat man den Effekt von der japanischen Atombombe nachweisen können, und er war fest.
Man kann sagen, bis auf die Antarktis hat man bisher auf jedem Kontinent etwas gefunden, und man findet immer mehr. Jedes Jahr kommt was hinzu. Es gibt also viel mehr Bernstein, als der Normalverbraucher weiss, aber die Lagerstätten sind beschränkt auf drei Grosse: Baltisch, Dominikanisch und Mexikanisch. Das ist es im Prinzip auch.»

05.15
Auf der Suche nach den Ursprüngen des mexikanischen Bernsteinwaldes. Wo genau er gestanden hat und wie er aussah, weiss man nicht genau. Für die Geologin Mónica Solórzano Kraemer kommt beispielsweise die gemischte Vegetation, die man hier im Naturschutzgebiet La Encrucijada, im Südwesten Mexikos findet, der Vorstellung eines Bernsteinwaldes schon sehr nahe.

05.40
Statement Mónica Solórzano Kraemer, Geologin:
«Mit den Insekten und mit den Informationen aus den Pflanzen und den Fossilien, die ich im Bernstein gefunden habe, möchte ich mir ein genaues Bild machen, wie der Bernsteinwald vor rund 20 Millionen Jahren ausgesehen haben könnte.»

05.59
«Wir können uns vorstellen, dass dies ein Teil des Bernsteinwaldes sein könnte, weil wir die hier am häufigsten vorkommenden Pflanzen auch im Bernstein finden.»

06.11
Nur die Hauptdarstellerin fehlt hier, nämlich die Baumart, die damals das Harz produzierte. Sie ist ausgestorben, hat aber eine Nachfolgerin, die allerdings nur noch sehr wenig Harz hervorbringt.

06.24
Statement Mónica Solórzano Kraemer, Geologin:
«Es handelt sich um die Gattung Hymenaea Courbaril, die wir in Mexiko und ganz Südamerika antreffen.»

06.31
Dieses Exemplar zum Beispiel steht einige hundert Kilometer entfernt vom Naturschutzgebiet, am Rande des Bergstädtchens Simojovel. 1620 gegründet, ist Simojovel heute das Zentrum des Bernsteinhandels Mexikos. An die 90% der gesamten Bernsteinproduktion stammt aus den Minen des Berggebietes rund um Simojovel.

07.00
Statement Elizabeth Mendoza, Kunstschmiedin:
«Bernstein ist ein wichtiger ökonomischer Faktor in Simojovel, nicht nur in der Stadt sondern auch in den umliegenden Kommunen. Einige Kollegen, die früher in der Landwirtschaft gearbeitet haben, sind heute in den Minen oder in der Bernsteinverarbeitung tätig. Das wiederum hat freie Arbeitsstellen in der Landwirtschaft gegeben für andere, die bisher arbeitslos waren.»

07.26
«Die Statistik der letzten Jahre zeigt, dass sich der Aufschwung auch auf andere Gewerbszweige, beispielsweise die Baubranche positiv ausgewirkt hat. Die meisten sind zwar Handwerker, können sich aber ein anständiges Heim leisten.»

07.44
«Wenn Sie sich umsehen, werden Sie feststellen, dass es denjenigen, die mit Bernstein arbeiten, verhältnismässig gut geht.»

07.56
Statement Marcos Diaz Lopez, Minenarbeiter:
«Manchmal, wenn wir viel finden, verdienen wir vielleicht 100 oder 200 Pesos pro Tag, manchmal gar nichts. Das sind dann verlorene Tage.»

08.07
Hundert Pesos sind rund acht Euro.

08.10
Statement Marcos Diaz Lopez, Minenarbeiter:
«Wenn was rauskommt, sind es manchmal grosse, manchmal kleine Steine, und manchmal gar nichts. Heute sind es nur sehr wenige. Es gibt Zeiten, wo es gar keine Arbeit gibt, und manchmal baue ich noch etwas Mais an. Der Verdienst ist etwa gleich hoch.»

08.41
Statement Elizabeth Mendoza, Kunstschmiedin:
«Es sind nicht nur die Land- und Minenbesitzer, die dort arbeiten, es gibt auch Minenarbeiter aus der Umgebung, die eine Mine nur monatsweise pachten.»

08.56
Statement Marcos Diaz Lopez, Minenarbeiter:
«Schon lange; es sind etwa 15 Jahre, dass ich Bernstein suche. Ich bin nur Pächter hier, die Mine gehört jemand anderem.»

09.06
Viele der Minenbesitzer und Arbeiter mit ihren Familien sind in Kooperativen organisiert. Im Gebiet von La Piminienta sind es insgesamt 43 Kooperativen, zu denen je fünf bis zehn Familien gehören.

09.27
Statement Elizabeth Mendoza, Kunstschmiedin:
«Von jeder Familie arbeiten vier bis fünf Mitglieder zu Hause, wo es meist auch eine kleine Werkstatt gibt. Während kleine Kinder mit kleinen Steinchen beginnen, bearbeiten die Älteren und Erwachsenen dann bereits Steine für Schmuckgeschäfte oder stellen selbst Schmuck oder kleine Figürchen her. Im Normalfall aber bearbeiten sie kleine Steine, die später von Goldschmieden gefasst werden für Ringe, Ketten, Ohrringe und andere Schmuckstücke.»

10.09
Elizabeth Mendoza arbeitet als selbständige Geschäftsfrau im Zentrum von Simojovel. Beinahe täglich werden ihr Steine aus den verschiedensten Minen angeboten.

10.24
Statement Elizabeth Mendoza, Kunstschmiedin:
«Im Licht achte ich darauf, ob der Stein keine Brüche hat, weil der Minero beim Herausschlagen das ganze Stück beschädigt haben könnte. Ich begutachte den Stein, ob er klar ist, oder ob er ein Fossil drin hat; das wäre allerdings nicht sehr schlimm, eher im Gegenteil. Er darf einfach keine Brüche oder Risse haben.»

10.52
Statement Manuel Lopez Dias:
«Es hat 8–15 Tage gedauert, bis ich diese Steine zusammen hatte; eine lange Zeit.»

11.06
Statement Elizabeth Mendoza, Kunstschmiedin:
«Für Stücke zwischen 1 und 5 cm zahlen wir rund 2’500 Pesos, etwa 200 Euro pro Kilo. Für Stücke über 5 cm kann der Preis von 8’000 –12’000 Pesos, rund 650 – 1’000 Euro pro Kilo steigen. 115 Gramm x 4 Pesos macht 460 Pesos, 37 Euro.»

11.37
Statement Manuel Lopez Dias:
«Ich konnte nicht alle verkaufen, weil sie sich nicht dafür interessiert hat. Die kleineren, leichteren Steine wollte sie nicht, aber ich habe eben nur dieses eine grosse Stück gehabt. Aber ich bin zufrieden.»

11.56
Statement Elizabeth Mendoza, Kunstschmiedin:
«Ich arbeite seit gut 25 Jahren mit Bernstein. Am Anfang habe ich rund 150 Pesos, 12 Euro, pro Kilogramm bezahlt. Heute zahle ich 1500 Pesos, 120 Euro, oder um die 6 Pesos, also 50 Cent, pro Gramm.»

12.18
Das Jantarny Kombinat im Gebiet Kaliningrad: die grösste Bernsteinmine der Welt. Als Kaliningrad noch Königsberg hiess, war es ein Teil Ostpreussens, heute ist es eine russische Exklave zwischen Polen und Litauen.

12.34
Statement Vladimir Borisenko, Geologe Kaliningradsky Jantarny Kombinat:
«Bernstein ist überall an der Ostseeküste Kaliningrads zu finden. Früher war dies ein Küstengebiet. Genau hier aber hat sich die Schicht mit der Blauen Erde am schnellsten geformt. Zur selben Zeit, als die Blaue Erde entstand, haben Flüsse und Bäche Bernstein angeschwemmt, der sich dann in der Blauen Erde ablagerte.»

12.55
Statement Wolfgang Weitschat, Geol.-Paläont. Inst. Universität Hamburg:
«Blaue Erde deswegen, weil dieses Mineral Glaukonit, das an sich grün ist, dort in ziemlich grossen Mengen drin vorkommt. Glaukonit ist ein Mineral, das nur in marinen Bereichen entsteht. Es ist ja nicht der Waldboden, es ist ein Meeressediment. Und das Mindestalter, das kennen wir mittlerweile, das ist irgendwo zwischen 52 und 53 Millionen Jahren.»

13.17
Mit Hochdruck, nämlich mit 10Atü, wird die Blaue Erde aufgerissen und aufgelockert, um den Bernstein heraus zu spülen. Das Wasser dazu wird direkt aus dem Meer zur Grube gepumpt.Bereits nach der ersten Spülung werden die grössten Steine aussortiert.

13.42
Der Schlamm mit den kleineren Steinen wird zur Reinigung und Grobsortierung in einen Fabrikkomplex hoch gepumpt, der sich in unmittelbarer Nähe der Grube befindet. Mit der Grube und den Bernstein verarbeitenden Betrieben, ist Kaliningrad nach wie vor der grösste und wichtigste Bernsteinproduzent für den gesamten Weltmarkt.

14.06
Dieses Amulett ist über 5000 Jahre alt. Im Deutschen Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten zeugt es mit andern Fundstücken von der Faszination, die Bernstein und sein jüngerer Bruder Kopal seit je her auf Menschen ausgeübt haben muss.

14.23
Über die Jahrhunderte gewann Bernstein auch als Material für Ziergegenstände immer mehr an wirtschaftlicher Bedeutung. Mit religiösen Utensilien und mit den Ängsten der Menschen schien man schon damals gute Geschäfte machen zu können.

14.50
Im 18. Jahrhundert entstand auch das berühmte Bernsteinzimmer, von dem die Nachbildung eines Details im Deutschen Bernsteinmuseum hängt.

15.00
Parallel zum Handwerk entwickelten sich die Methoden und die Wirtschaftlichkeit der Bernsteingewinnung. Durch die Industrialisierung wurden die Abläufe weiter rationalisiert und das Know-how, das sich die Bevölkerung des Gebietes um Königsberg angeeignet hatte, war in allen Bereichen rund um Bernstein weltweit einzigartig. Dieses Wissen aber ging 1945, mit der Flucht der Bevölkerung vor der Eroberung Kaliningrads durch die Russische Armee, fast vollständig verloren.

15.33
Statement Vladimir Borisenko, Geologe Kaliningradsky Jantarny Kombinat:
«Die alten deutschen Bernsteingruben waren die Ausgangslage. Zuerst ging es um deren Unterhalt und die Erforschung des Bernsteins, dann haben wir unsere eigenen Perspektiven entwickelt.»

15.50
In einem weiteren Fabrikkomplex durchläuft der Bernstein nun verschiedene Bearbeitungsprozesse. Als erstes wird er getrocknet und nach Grösse sortiert. Im anschliessenden Süsswasserbad sinkt der Bernstein ab und verbleibende Holzreste können abgeschöpft werden.

16.13
Statement Elena Biriutchinskaya, Direktorin JSC Amber Juwellerprom:
«Lassen Sie uns 30 Jahre zurückblicken, als es die Planwirtschaft noch gab, und der Staat Einnahmen und Ausgaben bestimmte. Das war natürlich wunderbar, wenn man genau wusste, soviel muss ich fördern, und das nimmt mir der Staat dann auch ab. Es war damals sicher besser und stabiler als heute.»

16.37
Bernstein schwimmt in Salzwasser. Diese Eigenschaft macht man sich zu Nutze. Andere Steine und schwere Schmutzresten sinken ab. Der vollständig gereinigte Bernstein wird noch einmal getrocknet und dann in verschiedene Grössen getrennt. Die teilweise veralteten Anlagen lassen sich bestimmt auch in Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion sehen, der erneut Jahre der Unruhe und Instabilität gebracht hatte. Korruption und Diebstahl gehörten zum Alltag, und es wird gemunkelt, dass es Zeiten gab, in denen bis zu 70% der geförderten Menge einfach verschwunden sein sollen.

17.18
Statement Elena Biriutchinskaya, Direktorin JSC Amber Juwellerprom:
«Früher gab es ein sehr grosses Sicherheitsproblem. Meiner Meinung nach aber ist das heute gelöst. Der Betrieb gibt sehr viel Geld aus dafür. Sie haben ja die verschiedenen Sicherheitsvorkehrungen gesehen. Sie sind leider unausweichlich, aber sie sind ein Plus für uns.»

17.46
Früher waren es über 900 Tonnen, heute sind es aus marktwirtschaftlichen Gründen noch rund 250 Tonnen Bernstein, die jährlich gefördert und weiterverarbeitet werden. Steine, die überdurchschnittlich gross und schön sind, bekommen eine Spezialbehandlung. Zu den ganz exklusiven Kostbarkeiten gehören dann auch Steine, die ein Gewicht von mehr als 500 Gramm oder gar über einem Kilogramm erreichen.

18.07
Die gewöhnlichen Steine werden zuerst nach Gewicht und anschliessend nach drei Kriterien aussortiert: dunkler Bernstein, nicht transparenter und transparenter Bernstein. Ein besonderes Augenmerk wird auch auf mögliche organische Einschlüsse, sogenannte Inklusen, gelegt.

18.27
Statement Elena Biriutchinskaya, Direktorin JSC Amber Juwellerprom:
«Wir wissen, dass Inklusen vor allem in sogenannten Schlauben, also in Schichtbernsteinen vorkommen. Die sortieren wir aus. Da wir mehr auf Grosseinkäufer ausgerichtet sind, bieten wir den Schichtbernstein als unbearbeitetes Produkt neben anderen Rohprodukten an. Der Käufer weiss dann, dass die Wahrscheinlichkeit, Inklusen zu finden, bei diesem Produkt höher ist als bei anderen. Alles Weitere ist dann die Arbeit der Wissenschaftler.»

19.03
Statement Wolfgang Weitschat, Geol.-Paläont. Inst. Universität Hamburg:
«Die Inklusen verraten uns natürlich zum Ersten, dass es einen Bernsteinwald gegeben hat; dieser Bernsteinwald, von dem wir die Lage nicht genau kennen, irgendwo in Skandinaven, dort war ein Wald.»

19.17
Zudem gibt die Tatsache, dass es in vielen Steinen Insekten gibt, die heute entweder nur in tropischen oder nur in gemässigten Zonen leben, Hinweise auf das damalige Biotop das wärmer gewesen sein muss. Und es muss Flüsse, Berge und Palmen im Bernsteinwald gegeben haben.

19.33
Statement Wolfgang Weitschat, Geol.-Paläont. Inst. Universität Hamburg:
«Alles was pflanzlich ist, kann ja nur durch den Wind rein gekommen sein, kann runter gefallen sein; deswegen sind Pflanzen auch so selten zu finden im baltischen Bernstein. Sie finden im Baltischen Bernstein auf 1000 Tierchen gerade eine einigermassen gute Pflanze. Das hat damit zu tun, dass Tiere auch aktiv die Sache anfliegen, und der Bernstein war wohl so etwas wie eine Lichtfalle im Wald. Wenn die Sonne auf so eine Harzfläche scheint, dann fliegen die Insekten das an. Alles was am Bernsteinbaum gelebt hat und hoch und runter gelaufen ist, das sind die, die die Hauptmenge ausmachen. Dieser Gecko, der jetzt in diesem 52 Millionen Jahre altem Harz eingeschlossen ist, ist der Urvater der Geckos. Der Gecko ist auf einem Stand, auf einem heutigen Stand, der ihn auszeichnet als quasi als Basis der gesamten Geckoentwicklung.»

20.28
Wäre es möglich, Erbgut aus einem solchen Fossil zu extrahieren und es wieder aufleben zu lassen? Das entspräche dann der Theorie, auf der die ganzen Jurassic-Park-Filme basieren.

20.40
Statement Wolfgang Weitschat, Geol.-Paläont. Inst. Universität Hamburg:
«Die Zoologen sagen, DNS oder DNA überlebt nicht mehr als 50’000. Im Baltischen – muss man wirklich sagen – hat es noch keiner so richtig versucht. In dem Augenblick, wo er aus der blauen Erde raus kommt finden Sie so etwas, nach fünf Jahren ist alles getrocknet, da finden Sie nichts. In unserer alten Sammlung, da finden wir nichts. Aber wenn Sie jetzt frische Bernsteine nehmen, wo das Wasser noch drin ist, und dort ein Insekt aufmachen. Also ich gehör zu den Leuten, die nicht ausschliessen, dass es zumindest Segmente von DANN – Teilstücke – im Baltischen Bernstein erhalten geblieben ist.»

21.14
Wirklich schöne und grosse Inklusen sind selten und sehr begehrt; verständlich, dass Bernsteinfälscher ihr Handwerk gut verstehen.

21.23
Statement Wolfgang Weitschat, Geol.-Paläont. Inst. Universität Hamburg:
«Das ist die eleganteste Methode: erst machen sie die Basis aus Bernstein und oben eine Kunstharzkappe über diese Basis, das ist also zur Hälfte Bernstein und zur Hälfte Kunstharz. Und in das Kunstharz packen sie diese Insekten rein. Grosse sind selten, Stücke über ein Zentimeter sind selten. Also wenn man ein Stück findet mit einem Käfer oder mit einer ganzen Echse drin, und das dann auch noch billig ist, dann kann man davon ausgehen, dass das eine Fälschung ist.»

21.51
Erst vor kurzem wurde das ehemalige Bernstein Kombinat in die Einzelbereiche Grube und Nachbearbeitung aufgeteilt. In den alten Werkstätten wird unter dem neuen Namen «Juweller Prom» der Bernstein veredelt. Dabei werden etwa 50% zu Halbfertigprodukten, die andere Hälfte wird zu fertigem Schmuck oder Souvenirs verarbeitet. Genauere Fakten zu Produktionsumfang, Geschäftsgang, Anzahl Mitarbeiter usw. werden nicht genannt. Da viele der Steine in ihrer Originalfarbe zu hell, zu dunkel oder zu wenig transparent sind, werden sie erhitzt. Mit Temperaturen zwischen 200 und 300 Grad wird die Farbe verändert.

22.31
Je kleiner die Luftbläschen im Baltischen Bernstein sind, desto weisser und undurchsichtiger ist er. Im Autoklav werden die Steine 12 Stunden unter mehr als 40 Atü und in Kombination mit Temperaturen um 200 Grad geklärt und auch gehärtet. Die meisten kleinen Steine, die zu Schmuck verarbeitet werden, sind autoklaviert oder erhitzt worden.

22.58
Hauptabnehmer neben Russland sind Japan, Italien, Spanien, die Arabischen Emirate und direkte Nachbarländer wie Polen und Litauen. Und gerade in Ländern, wo Bernsteinprodukte vor allem an Touristen verkauft werden, sind Fälschungen für das Kombinat ein grosses Problem. Bei soviel Handarbeit können Billigstprodukte – dessen muss man sich als Käufer einfach bewusst sein – nur Fälschungen sein.

23.27
Statement Wolfgang Weitschat, Geol.-Paläont. Inst. Universität Hamburg:
«Der Baltische ist was Besonderes, keine Frage. Er unterscheidet sich von vielen durch wirklich sehr wichtige Charaktere wie besonders eben diese Gelbfärbung. Weissen Bernstein kennt man in Mexiko und im Dominikanischen nicht. Das Farbspektrum ist einzigartig, wir kennen, glaube ich, 220 verschiedene Farbspektren. In den mexikanischen und dominikanischen, da ist der Stein von Natur aus klar. Ich denke mal auch bedingt dadurch, dass beide Lagerstätten relativ hoch liegen heute. Der Bernstein ist in diesem Sediment dann zusammen mit den Gesteinen erhärtet, und die Leute müssen den Bernstein aus Sandstein herausklopfen.»

24.26
Statement Nelson Fulgencio, Bernsteinhändler:
«Nach der Entdeckung Amerikas haben die Spanier Bernstein mitgenommen. Eingeborene in der Dominikanischen Republik haben zwar damals schon mit Bernstein gearbeitet, haben aber noch keinen Handel damit betrieben. Die eigentliche Entwicklung begann zwischen 1968 und 80 mit europäischen Handwerkern, die nach Santo Domingo kamen. Mit der Ankunft der Italiener, die den Wert der Inklusen und der Farben kannten, gab es in den 80er Jahren einen weiteren Schub. Und das Wissen der Italiener hat die Entwicklung unseres Bernsteinhandwerks stark beeinflusst.»

25.18
«Wir sind hier in Santo Domingo, wo wir den Bernstein bearbeiten. Bernsteinvorkommen sind in der Gegend nordöstlich von Santo Domingo zu finden und in dieser Region, man nennt sie die Bernsteinküste, weil es hier sehr viele unterschiedliche Minen gibt. Und den Blauen Bernstein findet man genau an dieser Stelle zwischen Santiago und Puerto Plata. Diese Gegend nennt sich Los Cacao, und nur dort findet man den Blauen Bernstein.»

25.51
Jesus, Minenarbeiter:
«Wenn man hier arbeitet, muss man sich schon bewusst sein, dass etwas einstürzen könnte. Aber man kann sich vorsehen und muss eben aufpassen. Ich lebe hier, und quasi die ganze Familie arbeitet im Bernstein, schon mein Vater war Minenarbeiter. Diese Arbeit ist viel einträglicher als Landwirtschaft, dort verdient man sehr wenig. Wir sind eine Gemeinschaft von fünf Leuten, die diese Mine abbaut, und einen Fund teilen wir 50:50 mit dem Minenbesitzer. Das Meiste was wir je gefunden haben waren 18 Pfund an einem Tag. Heute kostet das Pfund 16’000 – 17’000 Pesos, rund 410 – 440 Euro. Es gibt gute Tage, da macht man 10’000 bis 20’000 Pesos, 250–500 Euro, und dann wieder gibt es solche, wo man gar nichts verdient.»

26.53
Statement Jorge Martinez, Bernsteinhändler:
«Früher wurde der Blaue gemeinsam mit all den andersfarbigen Bernsteinen verkauft. Erst etwa 1970 begannen die Mineros den Blauen separat zu verkaufen.»

27.10
Statement Wolfgang Weitschat, Geol.-Paläont. Inst. Universität Hamburg:
«In Stuttgart hat man schon vor 20 Jahren angenommen, die blaue Farbe ist eine natürliche, eine sehr starke, natürliche Erwärmung des Steins. Offensichtlich spielen auch eine Menge an organischen Substanzen im Bernstein eine Rolle, die dann die blaue Färbung machen. Keiner kann bisher solche Bernsteine herstellen.»

27.33
Statement Jorge Martinez, Bernsteinhändler:
«Fünf Dollar pro Gramm, macht 1350 Dollar, rund 1150 Euro.»

27.38
Dieses Prachtsexemplar mit seinen 900 Gramm käme damit auf knapp 4’000 Euro zu stehen.

27.48
Statement Jorge Martinez, Bernsteinhändler:
«Der Blaue ist am schwierigsten zu finden. Im Durchschnitt sind es 2–3 Pfund pro Woche.»

27.54
Die Suche nach Bernstein fordert ihre Tribute: In der Umgebung von Los Cacao findet man ganze Bergflanken, die von Minen so gelöchert waren, dass sie bei Regenfällen abrutschten, oder Überreste von Häusern, unter denen die Mine eingebrochen ist.

28.10
Rund 15 – 20’000 Menschen, so schätzt Nelson Fulgencio, verdienen sich in der Dominikanischen Republik teilweise oder ganz ihren Lebensunterhalt mit Bernstein.

28.24
Statement Nelson Fulgencio, Bernsteinhändler:
«Die Handwerker sind nicht organisiert, sie kennen sich im Geschäft nicht aus, und sie kommen auch nicht direkt in Kontakt mit den Käufern oder den Touristen. Sie profitieren nur in kleinem Ausmass. Aber der grosse Bernsteinmarkt existiert; nicht für die Handwerker aber für das Land, dem es viele Devisen bringt. Die allerdings bleiben in den Händen der Zwischenhändler, Souvenirläden und der Touristikbranche. Es ist wirklich ein grosser Markt für die Dominikanische Republik.»

28.54
Die Steine aus der Mine in Los Cacao verwandeln sich unter den Händen von Giovan Hernandez, einem Angestellten Nelson Fulgencios, zu kleinen Kunstwerken. Nur wenige wissen genug über Bernstein und haben das Geschick und Gespür, den kostbaren Stein so zu bearbeiten, dass sein Blau nicht zerstört, sondern am vorteilhaftesten zum Vorschein kommt.

29.26
Auch in Mexiko konnten wir Steine von der Mine bis zum fertigen Schmuckstück begleiten.

30.07
Statement Elizabeth Mendoza, Kunstschmiedin:
«Für mich ist es ein magischer Stein, etwas sehr Schönes. Und er hat mir und meinen drei Kindern das Leben ermöglicht.»

30.27
Obwohl Bernstein in dem Augenblick zu altern beginnt, wo er aus seiner Lagerstätte herausgeholt wird, es bleibt ein Hauch von Ewigkeit, der ihn umgibt.


NZZ Swiss made: Mister Bernstein Schweiz

01.10
Statement Willy Kohler:
«Zuerst hatte ich schon Bedenken, ohne meine Steine zu sein. Nun ja, umgekehrt habe ich jetzt gesehen, wie die Leute Freude und Interesse haben. Ja, es ist eine schöne Sache in Winterthur.»

01.23
Die exklusivsten Stücke aus der Sammlung des pensionierten Zürcher Feuerwehrmannes sind im Museum Internationales Baumarchiv ausgestellt. Darunter sind auch Schnuller oder Teile von Pfeifenmundstücken aus so genanntem Pressbernstein. Sie bestehen aus kleinsten Bernsteinpartikeln, die unter Hochdruck zusammengeführt wurden. Auch die Medizin ist vertreten, die dem Bernstein heilende Wirkungen zutraute.

01.51
Statement Willy Kohler:
«Vor Bernstein habe ich Zwerge gesammelt. Da war das ganze Zimmer voller Zwerge. Und dann über meinen Schwiegersohn, der hat immer, wenn er Leute eingeladen hat, hat er einen Stein vor das Gedeck gelegt als Glücksstein. Irgendwann kam man dann auf Bernstein zu sprechen. Was ist, es ist immer die Platzfrage: zuerst war es nur eine Vitrine im Zimmer, dann waren es zwei, dann war die eine Wand voll, dann kam die zweite, und heute ist das Zimmer voll. Aus Spass sagen die Leute, das ist das Bernsteinzimmer der Schweiz.»

«Wenn ich im Binokular die Insekten anschaue, dann denke ich, nein, diese Fliege ist 50 Millionen Jahre alt, eine Million hinauf oder hinunter, das spielt dann ja keine Rolle. Und die sehen noch praktisch so aus wie heute, und das fasziniert mich. Und ich sehe dann die Augen, die Tasterhaare; mit dem Binokular sieht man alles. Das ist nicht wie ein Fossil, das flach gedrückt ist im Sediment, sondern das ist dreidimensional, also so wie wenn das Tier noch leben würde. Da sieht man noch die Blase vom Körpersaft der Ameise. Und sie ist schon leicht rot angelaufen; ein Zeichen, dass irgendwo Sauerstoff dazu gekommen ist.»

«In der Schweiz, da haben Sie keine Möglichkeit zum selbst Suchen, ausser in Plaffeien, im Kanton Freiburg, hat es eine Stelle, wo man – wenn man Glück hat – etwas findet. Aber sonst keine Möglichkeit. Also, das letzte Mal haben wir kein Körnchen gefunden. Ich weiss nicht; es ist ja ein Spezialist dabei, und wenn jemand etwas findet, dann ist es der. Also ich lasse mich überraschen.»
«Die Leute, die hier wohnen, die wissen die Stellen, und mit gutem Willen verraten die einem mal eine Fundstelle. Und wie gesagt, Plaffeiit ist eine äusserst rare Angelegenheit.»

04.43
Statement Stephan Gfeller:
«Ja, der ist recht, das ist schon ein übergrosses Teil. Es ist mehr ein Fühlen, man muss etwas durch die Gegend gehen und laufen und machen, und dann sieht man hier etwas und da etwas, und plötzlich entdeckt man es.»

05.06
Statement Willy Kohler:
«Das ist ein sehr schöner Fund, den wir jetzt gemacht haben. In der Grösse und mit der Brillanz der Bernsteine habe ich noch nie eine Fundstelle gesehen. Aber man muss es sich verdienen. Soviel ich weiss, ist das eine Ader, die sich vielleicht 10, 20 Meter oder noch mehr durchzieht. Das war ja ursprünglich Meeresboden, und dann mit der Aufschichtung ist das aufgeworfen worden.»

«Um die 60, 65 Millionen Jahre alt ist der, und hat natürlich nur wenige Inklusen, weil er sehr brüchig ist. Schweizer Bernstein kann nicht als Schmuck verwendet werden, sondern er ist eine Rarität und bei den Bernsteinfreunden gefragt.»

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Die Geheimnisse des brennenden Steins: Bernstein: Ein Hauch von Blau: Blauer Bernstein aus der Dominikanischen Republik
Die Geheimnisse des brennenden Steins: Bernstein: Wenn das Blau mehr als nur ein Hauch ist, wird der einzigartige dominikanische Bernstein zur Kostbarkeit.
Die Geheimnisse des brennenden Steins: Bernstein: Zwei Bernsteinanhänger der mexikanischen Künstlerin Elizabeth Mendoza

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