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Fechten - Mit Hieb, Stich und Schnitt

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01.22
Statement Peter Koza, Fechtmeister: „Mit historischen Kriegskünsten oder Sportarten beschäftigen sich heute meistens Romantiker, ganz im Gegensatz zu den historischen Zeiten. Dieselben Männer, die damals die wilden Pferde geritten haben, fahren jetzt Motorräder. Und diejenigen, die heute das Romantische pflegen, bleiben bei den Pferden.
Leute, die sich jetzt mit dem Rittertum, mit Kostümen und historischem Fechten befassen, das sind Flüchtlinge. Sie flüchten sich in ein idealisiertes Geschichtsbild.“

01.59
KOMMENTAR 15" Peter Koza beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit der Kunst des historischen Fechtens. Er gibt Kurse als Fechtmeister in ganz Europa.

02.06
Statement Peter Koza, Fechtmeister: "Es gibt ein paar allgemeingültige Regeln oder Grundlagen beim Fechten, obwohl verschiedene Schulen sie auf verschiedene Art erreichen. Erstens ist das die Stellung, die Garde, wie wir sagen, die Position. Ohne diese 3 Punkte ist die Bewegung unausgewogen, sie wäre unsicher. Dann ist es die Bewegung selbst; der Schwerpunkt des Körpers muss horizontal und tief geführt werden, also keinen lockeren Auf-und Abwärtsbewegungen. Diese Bewegungen wären sichtbar. Und dann der Abstand. Er ist wichtig für die Reichweite des Angriffs; von wo aus der Gegner mich, und von wo aus ich ihn angreifen kann? Das kann unterschiedlich sein. Unsere Distanz kann eine andere sein als die des Gegners. Und das gilt es zu erkennen, wir müssen wissen, ab wann der Gegner  für uns gefährlich ist.  
Es gibt verschieden Schulen. Die Deutschen Schule entwickelte sich dahin, dass die Kriegs- oder Fechtkunst ausschliesslich mit dem Schwert durchgeführt wird. Das Schwert muss sowohl eine Angriffs- wie auch eine Verteidigungswaffe sein. Sämtliche Teile des Schwerts werden genutzt: die Parierstange, der Knauf zum Schlagen, zum Parieren, zum Reissen und die Kante kann zum Schlag verwendet werden, nicht nur zum Schnitt. Das kunstvolle Besiegen des Gegners mit dem Hirn, das ist Fechten. Der Körper ist dabei nur ein Hilfsmittel.“

04.00
Statement Klaus Imberg: "Man hat einen Gegner, man muss lesen, was will er machen und die Verteidigung oder den Angriff entsprechend ausrichten. Und das ist das Spannende daran, wie Schach."

04.15
OVERVOICE Statement Rudi van Oeveren, Maître, Fechtexperte: Einem Gegner auf der „Piste“ gegenüber zu stehen ist sehr aufregend. Es ist wie Schachspielen, nur eben mit Hochgeschwindigkeit. Einige nennen es körperliches Schach, andere nennen es wettkampfmässiges Ballett. Es ist körperlich sehr, sehr anstrengend.

04.34
In vielen Stücken Shakespeares wird gefochten. Als Fechtmeister habe ich mich gefragt, woher wusste er alle diese Fachausdrücke, die er korrekt anwandte. Ich fand heraus, dass Shakespeare zwei italienische Fechtmeister hatte, die ihn trainierten. Er weiss also, wovon er spricht.

04.58
Auch Dumas war ein Fechter, De Gaulle und Napoleon, Eisenhower war ein brillanter Florettfechter, General Patton war US-Fechtmeister. Viele Schriftsteller und Künstler waren Fechter. Sie spielen nicht Fussball, sie fechten. Fechten schärft und reinigt den Verstand.

05.20
Ich mag das moderne Fechten, weil wir lernen zu schlagen, im Gegensatz zum Theaterfechten, wo man lernt, nicht zu schlagen sondern vorzutäuschen. 05.33 Die Schauspieler von früher waren die besseren Fechter; Jean Marais war gut, Basil Redbone, ein englischer Schauspieler, war brillant, Gene Kelly, ein grossartiger Tänzer und auch ziemlich guter Fechter, Errol Flynn war passabel, gut, aber nicht so gut wie Gene Kelly, Alain Delon passabel, Belmondo war ganz und gar nicht besonders gut. Sophie Marceau ist eine sehr gute Fechterin, bei Wettkämpfen gäbe ich ihr eine gute Chance.

06.13
Interessanterweise wurden Frauen über Jahrhunderte hinweg nie diskriminiert im Fechten, ganz im Gegensatz zu anderen Sportarten. Ein französischer Fechtmeister im 18. Jahrhundert sagte einmal:

06.25
Hüte Dich vor einer Frau mit einem Schwert in der Hand. Frauen sind intelligent und sehr intuitiv. Ihre Intuition ist viel besser als die der Männer. Und: Intuition beim Fechten kann entscheidend sein.

06.45
Es gibt bereits im 19. Jahrhundert Fechtmeisterinnen, und im 18. und 19. Jahrhundert sind Frauen nicht einfach akzeptierte, sondern respektierte und gleichwertig behandelte Mitglieder von Fechtclubs.
es küssten, bevor sie jemanden damit töteten; eine ziemlich schreckliche Vorstellung.

07.09
Wir wissen, dass die Kreuzritter, deren Schwert wie ein Kreuz aussah, es küssten, bevor sie jemanden damit töteten; eine ziemlich schreckliche Vorstellung. Vielleicht ist das der Ursprung der Begrüssung beim Fechten.

07.38
Die Maske wurde ca. 1760 von La Boësiere, einem Franzosen, erfunden. Zuvor standen die Fechter eher auf dem hinteren Bein, auch das Gesicht war zurückversetzt, weil sie Angst hatten, die Augen würden verletzt. Mit der Maske, zuerst ein unstabiles Etwas vor dem Gesicht, konnten sie das Gesicht weiter nach vorne halten. Sie wussten, die Maske würde sie vor Schlägen ins Gesicht schützen. Und damit veränderte sich das Fechten.

08.17
Kommentar: Der ehemalige Fechtchampion Rudi van Oeveren, ausgebildeter Fechtmeister, oder Maître, wie es in der Fachsprache heisst, ist Fechtexperte und leidenschaftlicher Sammler. In Meung-sur-Loire, Frankreich, richtete er in seinem Schloss einen Fechtsaal und ein Museum ein, das auch öffentlich zugänglich ist.

08.38
OVERVOICE Statement Rudi van Oeveren, Maître, Fechtexperte: Es sind insgesamt zwischen 4000 und 5000 Sammelobjekte. Nicht nur Waffen, auch Bücher, Drucke, Gemälde, Puppen; einfach alles was mit Fechten zu tun hat.

08.53
Statement Andreas Moser, Swiss Fencing: "Im Fechten haben wir drei Sportwaffen: das Florett, den Degen und den Säbel. Mit diesen drei Waffen lernt man zu fechten. Man lernt anzugreifen, man lernt, sich zu verteidigen und lernt natürlich auch, ein Gefecht taktisch, strategisch aufzubauen.“

09.17
Statement Rolf Seeleger, Maître Fechtclub Zürich: "Wir beginnen mit den Kinder mit 6 oder 7 Jahren. Das hängt damit zusammen, dass die Kinder ab diesem Zeitraum auch schon eine gewisse Selbstständigkeit an den Tag legen können und bestimmte Eigenschaften mitbringen,  wie Konzentration unter anderem, um auch geschickt mit der Waffe umgehen zu können."

09.43
Statement Andreas Moser, Swiss Fencing:  „Beim Degen ist der ganze Körper die Trefferfläche, also von Kopf bis Fuss, auch die Hand, und derjenige, der zuerst trifft, hat getroffen, das ist eigentlich die natürlichste Form. Beim Degenfechten kann ich nur stossen, da wird der Treffer mit einer beweglichen Spitze ausgelöst. Wenn ich genügend stark treffe, dann löst das den Kontakt aus und dann leuchtet die Lampe, da ist der Treffer einfach ein Treffer, wenn rot oder grün aufleuchtet.“

10.18
OVERVOICE Statement Rudi van Oeveren, Maître, Fechtexperte: Bei einem Duell weiss man, wann man getroffen hat: nämlich wenn Blut fliesst. Bei Wettkämpfen gab es immer dieses Hinundher zwischen den Richtern. Bereits im 19. Jahrhundert wurde dann das elektrische Fechten erfunden, aber es war noch nicht perfekt und die Idee wurde fallen gelassen.
10.38 In den 30er Jahren wurde das elektrische Degenfechten erfunden, und das bereicherte das Fechten. All die wunderbaren Treffer aus dem 18. Jahrhundert, die blutende Wunden verursacht hatten, kamen zurück, weil man sie jetzt über die elektrische Anzeige erkennen konnte.

10.58
KOMMENTAR: Wie beim Degen zeigt auch beim Säbel und beim Florett eine Farblampe einen Treffer an. Die weisse Lampe dagegen leuchtet bei einem ungültigen Treffer auf.

11.11
Statement Andreas Moser, Swiss Fencing: "Beim Florett und Säbel ist nur der Oberkörper Trefferfläche, beim Florett ist es noch ein bisschen spezieller, da ist der Oberkörper, ohne Arme und ohne Kopf, die Trefferfläche."


11.27
KOMMENTAR: Wie schon beim Degen kann auch hier beim Florett ein Treffer nur durch einen Stoss mit der beweglichen Spitze ausgelöst werden.


11.38
Statement Andreas Moser, Swiss Fencing: „Beim Säbel ist es unterschiedlich, da wird der Kontakt ausgelöst, wenn die Klinge die elektrische(n) Weste(n) berührt, da kann ich stossen und schlagen, also einen Hieb anbringen.“

11.58
KOMMENTAR: Beim Säbel und beim Florett gilt zudem eine Konvention:

12.01
Statement Rolf Seeleger, Maître, Fechtclub Zürich: "Der Angreifer, der beginnt, der hat das Recht, den Treffer zu setzen, und sein Gegner muss erst diesen Angriff abwehren, muss ihn parieren, um dann wieder neu mit dem Angriff beginnen zu können. Beim Degenfechten, da spielt dieses keine Rolle, man kann fechten wie man es möchte, man muss nur den Gegner eher treffen als er mich getroffen hat."

12.41
Statement Peter Koza, Fechtmeister: Das Schwert ist nichts und alles. Nichts in dem Sinne, dass es nur Eisen, nur ein Stück Stahl ist. Alles, weil das Schwert für einen Krieger ein Zeichen seiner Ritterlichkeit und ein Zeichen seiner Macht über Leben und Tod ist. Heute zwar nicht mehr in der Realität, im Unterbewussten aber gilt das immer noch.
Wo immer wir uns mit vollem Herzen einbringen, kommen wir zum selben Ziel. Ein Gärtner beispielsweise, der seine Pflanzen pflegt, kann zu denselben Einsichten in das Leben gelangen. Wenn Schwerter mit im Spiel sind, ist es einfach ein etwas adeligeres Gefühl.

13.41
OVERVOICE Róbert Môc, Schwertschmied: „Im Moment stelle ich den harten Teil der Klinge mit erhöhtem Kohlenstoffanteil her. Später dann wird der harte Teil in ein weicheres, Kohlenstoff ärmeres Stück eingefügt.

13.55
KOMMENTAR: Das weiche Material wird zum Mantel, das harte zur Schneide der Klinge.

12.41
Statement Peter Koza, Fechtmeister: Ich habe die Schwerter, die ich in meinem Leben hergestellt habe und die mir gedient haben, immer gewürdigt und mit grossem Respekt gepflegt. Wenn ich beispielsweise in einer Sammlung Zugriff auf meine Schwerter hätte, müsste ich sie nicht alle besitzen, aber ich müsste sie ausschliesslich benützen können. Nicht jeder soll sie anfassen können, und deshalb ist es eine Notwendigkeit für mich, sie zu besitzen.

14.17
KOMMENTAR: Die meisten Schwerter seiner Sammlung hat Peter Koza nach historischen Vorlagen selbst hergestellt, vom Schmieden der Klinge bis zum Verzieren der Scheiden.
14.32 Das Schmieden der Klinge zu ihrer vollen Länge nimmt mehrere Stunden in Anspruch. Róbert Môc hat Mitte der 90er Jahre begonnen, historische Schwerter herzustellen. An die 40 Klingen entstehen jährlich in seiner Schmiede in Dobra Niva, in der Mittelslovakei.

14.52
OVERVOICE Róbert Môc, Schwertschmied: Das ist die Rekonstruktion eines Schwertes vermutlich aus dem süddeutschen Raum zur Zeit der Frührenaissance im 15. Jahrhundert.

15.26
Meistens orientiere ich mich an anspruchsvoller Literatur, um eine möglichst seriöse Quelle zu haben. Und wenn ich in Museen Zugang und Erlaubnis bekomme, studiere ich die Originale.

15.42
KOMMENTAR: Die eingestanzte Sonne, das Logo von Róbert Môc.
100 bis 150 Stunden Arbeit stecken in einem fertigen Schwert.
15.56 Auch die Scheiden und kunstvollen Verzierungen sind Handarbeit.

16.28
Statement Wolfgang Wimmer, Shihan, Verband asiatischer Kampfkünste e.V.: "Ich möchte es mit einem Zitat erklären: "Das Schwert ist die Seele des Samurai. Wer es verliert, ist entehrt und grösster Schande ausgesetzt."
Iaido wird landläufig als die Kunst, das Schwert zu ziehen, übersetzt, ist aber eigentlich eine falsche Übersetzung der Bezeichnung Iaido. Die erste Silbe "I" bedeutet präsent sein, körperlich wie geistig, "ai" bedeutet Reaktion, Aktion, wann immer es notwendig ist, und "do" bezeichnet den dahinter steckenden geistigen Weg. Wenn man jetzt diese Übersetzung versucht in einem Satz auch zu sagen, kommt man darauf, dass es eigentlich mehr um die geistige Haltung des Übenden geht, als um den technischen Umgang mit dem Schwert.
Im Iaido geht es um die Beteiligung von imaginären Angreifern, das heisst, ich stell mir diesen vor, und ich muss jetzt mein Schwert ziehen, um den Angriff entweder zu vor zu kommen oder den Angriff, der bereits gestartet ist, abzulenken und dann zu kontern.
Formen werden grundsätzlich alleine geübt.
Es sind sehr wenige Bewegungen, die man in den einzelnen Formen macht. Man übt sehr lange Zeit, um sich in den Zustand zu bringen, wo der Körper die Bewegungen kennt und lernt.
Jede Form hat einen Namen, z.B. im Seitei beginnend mit mae, ushiro und ukenagashi. Das heisst nichts anderes als: mae nach vorne, ushiro nach hinten, ukenagashi seitliches Parieren und Abgleiten.
Und innerhalb dieser einzelnen Formen haben die Bewegungen natürlich Bezeichnungen, z.B. das kiriotoshi, das ist die Schneidebewegung. Chiburi ist das traditionelle Blutabschlagen, hier gibt es das grosse und das kleine, also o chiburi und chiburi. Das Kleine: da wird nur die rechte Hand zur Seite geführt. Und beim grossen Blutabschlagen wird ein grösserer Bogen gefahren und das Blut abgeschüttelt.
Und das Schwert zurückführen: noto.“

18.55
KOMMENTAR: Die Choreographie, die Wimmer mit seinen Schülern für eine Vorführung bei einem Grossanlass in Japan erarbeitet, setzt sich zusammen aus verschiedensten Elementen und Formen des Iaido.

19.12
Statement Wolfgang Wimmer, Shihan, Verband asiatischer Kampfkünste e.V.: „Man blickt, grob gesagt, 6 m voraus oder 7 m voraus auf den Boden. Wenn man sich jetzt den Angreifer vorstellt, und ich würde jetzt so quasi durch den durchblicken, dann habe ich dieses periphere Sehen, das jeder hat; man kann Bewegungen auf der linken Seite erkennen, ohne erst den Kopf zu drehen, auf der rechten Seite aber auch am Boden und natürlich auch nach oben die Bewegungen sehen.
Der Schnitttest ist das Zeigen, was möglich wäre. Dieser Reisstrohballen hat etwa die Konsistenz von einem menschlichen Rumpf. Und wenn man gesehen hat, wie leicht oder schwer, oder ja nach dem und flüssig das Schwert durch diesen Reisstrohballen ging, ist die Gefahr, die von diesem Gegenstand ausgeht auch eine sehr grosse."

20.06
OVERVOICE Statement Rudi van Oeveren, Maître, Fechtexperte: Betrachtet man Fechten nicht in erster Linie unter dem Aspekt des Tötens, kann man es als Assault ausüben. Bei einem Assault fechtet man einzig der Schönheit der Bewegungen wegen.

20.18
Wer wurde im 18. Jahrhundert als Künstler bezeichnet? Man findet den Komponisten, den Bildhauer, den Poeten und man findet den Fechtmeister. Der Fechtmeister wird nicht als Sportlehrer betrachtet, sondern als Künstler.
20.35   Als die Römer Europa eroberten, fanden sie im Norden, in Holland, Friesen, die mit ihren Schwertern tanzten. Man könnte es als eine Form des Theatertanzens betrachten. Diese Kunst des Fechtens gibt es heute noch. Beim Theaterfechten werden die Bewegungsabläufe so einstudiert, dass niemand dabei getroffen wird. Man benutzt es auch im Film. Und das ist die künstlerische Art des Fechtens heute.

21.07
KOMMENTAR: In seiner über 40-jährigen Tätigkeit war Peter Koza bei einheimischen und internationalen Filmen für die Kampfszenen, inklusive Ausstattung, Kostüme und Choreographie verantwortlich.

21.19
Statement Peter Koza, Fechtmeister: Beim Film verwendet man heutzutage meistens Aluminium- oder Gummiwaffen. Nur bei nahen Aufnahme, da sieht man die eisernen Waffen. Aber im Theater oder bei unseren Vorführungen, die live sind, können wir dieses Schwindelchen nicht verwenden, weil der Zuschauer das sofort erkennen würde.  
 
21.46
KOMMENTAR: Die Bewegungsabläufe, verbunden mit der Kunst des Fechtens, sind bei dieser Choreographie eines Säbeltanzes wichtiger als die historische Genauigkeit der Waffen und Kostüme.
22.00 Dass solche Waffen in einem richtigen Duell auch verletzen und töten könnten, schwingt aber auch hier unterschwellig mit.

22.11
OVERVOICE Statement Rudi van Oeveren, Maître, Fechtexperte:
Auf dem Duellierfeld sind 4 Richter, der Hauptverantwortliche ist meist ein Fechtmeister. Erst wird versucht, mündlich zu verhandeln, dann wird alles niedergeschrieben. Es ist nicht einfach eine wilde Prügelei, sondern alles ist durchorganisiert. Immer ist auch ein Arzt dabei. Er reinigt die Waffen. Um die Klingen keimfrei zu machen, zieht er sie durch die Flamme eines kleinen Brenners. Anschliessend sterilisiert er sie mit einem in Alkohol getränkten Baumwolllappen.

22.44
Dann wird entschieden, ob der Kampf beendet sein soll, wenn Blut fliesst, oder ob er bis zum bitteren Ende geführt wird. Das ist nur selten der Fall und es ist schrecklich, weil dann gekämpft wird, bis wirklich einer tot umfällt.

23.01
Normalerweise ist der Kampf beendet, wenn jemand am Arm oder an der Schulter blutet. So wird ein Duell durchgeführt, schon seit Jahrhunderten.

23.15
Ich war zwei Mal Zeuge eines Duells. Nach dem Kampf, wie beim Boxen, umarmen sich die Duellanten und vergeben sich.

23.25
Es ist eine reinigende Handlung, Duellieren reinigt die Seele, man wird alle Rachegelüste, den ganzen Hass los dabei. Das ist das Wunderbare am Duellieren. Heutzutage ist Duellieren verboten, und trotzdem, täuschen Sie sich nicht, es wird immer noch praktiziert.

23.44
KOMMENTAR: Im 17. Jahrhundert waren vor allem die Musketiere bekannt für ihre Duellier- und Rauffreudigkeit. Ihre Waffe war, wie für die noblen Herren der Oberschicht, das Rapier. Rapiere konnten eine Länge von 1.5m und mehr haben.

23.59
Statement Peter Koza, Fechtmeister: Wenn ich es von der Seite ziehen will, ist mein Arm zu kurz, ich muss nachgreifen, das ist dumm. Aber wenn ich einen Diener hinter mir habe, der es trägt, kann ich es bequem ziehen und kann dann den Kampf führen. So war es auch die Sitte in jenen Zeiten, dass diejenigen, die darauf aufmerksam machen wollten, was für grosse Duellisten sie sind, so ein Rapier hinter sich her tragen liessen. Damit repräsentierten sie die Kampffähigkeit und die Kampfbereitschaft, jederzeit ein Duell zu führen.

24.40
OVERVOICE Statement Rudi van Oeveren, Maître, Fechtexperte: Es gab auch Rapiere mit einer eingebauten kleinen Pistole. Der Typ, ein ziemlicher Bastard, zieht also sein Schwert, und der andere denkt, er werde mit dem Schwert kämpfen, aber nein, der schiesst. Verfehlt er das Ziel, kann er immer noch mit dem Schwert weiterkämpfen.
24.58 Die drei Musketiere. Eine der meist verfilmten Geschichten. Es gibt mehr als 70 Filme über sie. Ein Musketier ist ein Soldat des Königs. Normalerweise ist er ein sehr guter Fechter, und wenn nicht, wird es ihm beigebracht.

25.17
KOMMENTAR: Die Porzellanfiguren der drei Musketiere mit ihrem Zögling D'Artagnan gehören zu den Prunkstücken in der Sammlung van Oeveren.

25.27
OVERVOICE Statement Rudi van Oeveren, Maître, Fechtexperte: Die drei Musketiere haben wirklich gelebt, genau so wie Cyrano de Bergerac. Von ihm sagte sein Fechtmeister, er sei ein Sadist gewesen. Ohne wirklichen Grund konnte er jemanden töten oder schwer verletzen.
25.43 Es gab eine Zeit in der europäischen Kultur, in der die Waffe zu einem Teil der Bekleidung gehörte. Ging man zu einer Party, trug man ein kunstvolles Schwert mit Perlen oder vielleicht sogar mit Gold bestückt.
25.58 Zu einer Beerdigung trug man ein mattschwarzes Schwert, die Engländer nannten es Trauerschwert. Man hatte seine Waffe dabei, aber sie war Teil der Bekleidung.
26.11 Manche hatten ein Schwert, in dessen Knauf ein kleines Messer eingebaut war. Je nach Position machte es dann plötzlich Klick - eine scharfe Klinge sprang heraus und konnte als Dolch benutzt werden.

26.38
Statement Peter Koza, Fechtmeister: Das Spanische Fechten setzt stark auf Selbstdisziplin. Keine andere Schule ist so auf Selbstdisziplin gesetzt und muss geometrisch so exakt ausgeführt werden.
Die historische Reihenfolge der Schulen ist folgende: die Deutsche, die Italienische, die Spanische und die Französische, obwohl sich die Italienische und die Spanische fast gleichzeitig entwickelt haben.
Die Italienische und die Spanische Schulen setzen beide auf Geometrie. Die Geometrie war eine der grossen Entdeckungen der Menschen der Renaissance. Der Unterschied ist der: die Italiener haben zuerst den menschliches Körper studiert. Dann versuchten sie, die bestmöglichen Bewegungsabläufe geometrisch aufzuzeichnen, um sie dann beim Fechten anzuwenden. Die Spanier dagegen wollten die besten Abläufe zuerst geometrisch entwickeln und dann den menschlichen Körper dazu zwingen, diese idealen Bewegungen auszuführen und zu erfüllen.

27.34
KOMMENTAR: Die Erfindung des Schiesspulvers löste die Entwicklung des Fechtens zur Wissenschaft aus. Weg vom blossen Kraftakt mit schweren Schwertern und Schildern, hin zum raffinierteren Nahkampf, wo es nicht mehr galt, gepanzerte Ritter zu erschlagen. Während die Deutsche Schule noch mit den schweren Schwertern arbeitete, betrieben die Spanier und Italiener ihre Schulen mit langen und leichteren Rapieren. Die Franzosen schliesslich benutzten hauptsächlich das Florett.

28.01
Statement Peter Koza, Fechtmeister: Die Französische Schule ist aus der Italienischen und aus der Spanischen hervorgegangen. Neu dabei ist, dass die Gegner ihre Angriffe nicht gleichzeitig lancieren wie etwa bei der Italienischen Schule. Die Franzosen lassen den Gegner etwas aus dem Tempo kommen, spielen etwas mit ihm. Das gehört ja auch zum Naturell der Franzosen, sich zu unterhalten mit dem Gegner, sei das nun mit der Klinge oder mit dem Mund. Die Schule ist aber auch aus der Entwicklung der Waffen heraus entstanden

28.38
KOMMENTAR: (14“) Aus dem langen und relativ schweren Rapier hat sich zuerst das Small Sword entwickelt, das noch eine höchst gefährliche und tödliche Waffe war. Das Florett für die Französische Schule, war dann ausschliesslich als Trainingswaffe konzipiert.

28.52
OVERVOICE Statement Rudi van Oeveren, Maître, Fechtexperte: Die Franzosen kämpften normalerweise mit der Hand gedreht, die Finger nach oben. Die Italiener standen in der Position Terza, mit dem Handrücken gegen oben. Und ihre Bewegungen waren, ich würde sagen üppiger, prunkvoller. Das heisst nicht, dass sie immer erfolgreich waren. Die Franzosen waren raffinierter, sie machten sehr kleine Bewegungen, und sie waren ebenfalls erfolgreich.
Normalerweise wurden die Franzosen von den andern kopiert. Heute wird hauptsächlich  nach der französischen Art gefochten. Natürlich hat aber jedes Land seine eigene Interpretation davon.

29.36
Statement Klaus Imberg: "Ich fühle mich sehr jung, wie damals mit 17, das ist das Erstaunliche dran. Fechten ist ein geistig sehr aktiver Sport, und es macht Spass. Also, wer nicht Freude hat am Fechten, auch am Schachspielen, wer das grimmig macht, der solls sein lassen.

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