1.06
Das Fischen liegt vielen Menschen im Blut. Kein Wunder also, dass an allen Gewässern der Welt Hobbyangler versuchen, einen dicken Fisch an Land zu ziehen.
1.23
Fliegen, Maden oder Brotkrümel,
1.30
Blinker, Würmer oder Heuschrecken, alle Köder dienen dem gleichen Zweck: der Fisch soll anbeissen.
1.40
Was für die einen Zeitvergeudung und Langeweile bedeutet, ist für den passionierten Fischer Spannung pur.
1.50
Der Big River Lake in der Redoubt Bay in Alaska ist ein grosser, vorwiegend von Gletscherwasser gespeister See, eine Flugstunde von Anchorage entfernt. Wo immer sich ein klarer Quellbach ins trübe Gletscherwasser ergiesst, sammeln sich im Sommer tausende von Lachsen - und hunderte von Sportfischern. Sie schweben morgens mit dem Wasserflugzeug herein und abends sind sie wieder weg.
2.10
Und der Erfolg ist garantiert. Alaska und auch Kanada sind Paradiese für eingefleischte Sportfischer, aber auch für Gelegenheits-Angler, die einfach einmal das Gefühl erleben wollen, einen dicken Fisch an der Angel zu haben.
2.25
Statement Eckert
Das Fischen wird einem leicht gemacht. Man kauft für wenige Dollar eine Lizenz, man hat einen Guide, der drückt einem eine Angelrute in die Hand und sagt: schmeiss da so rein – und schon hat man das Erlebnis, einen wunderbaren Fisch zu fangen.
2.41
Thomas Eckert kommt seit 25 Jahren zum Lachsfang nach Alaska und organisiert auch Fischer-Reisen dorthin. Er kennt auch jene abgelegenen Zuflüsse in der Redoubt-Bay, die sonst kaum jemand benutzt.
3.00
Hier kann man in Ruhe die Rot- und Buckellachse beobachten, die sich bemühen, flussaufwärts geeignete Laichplätze zu finden. Lachse kehren, nachdem sie einige Jahre in arktischen Salzgewässern verbracht haben, zum Laichen in die Süsswasser-Flüsse ihrer Geburt zurück.
3.20
Gemeinsam ist allen, dass sie bald sterben. Die einen schon auf dem Weg nach oben, die andern spätestens nach der Eiablage. Dafür erreichen im nächsten Frühjahr wieder Millionen von Junglachsen das Meer. Dieser immer wiederkehrende Kreislauf ist Teil des gesamten Ökosystems der nordamerikanischen Pazifikküste.
3.40
Statement Karl Dixon:
Alle pazifischen Lachse arbeiten sich durch diese Gletscherflüsse hoch und suchen die klaren, kleinen Quellflüsse auf, um zu laichen. Zuerst, im Juni, kommen die Königslachse, das sind die ganz grossen. Dann erscheinen die Rotlachse, und jetzt im August sind die Buckel- und die Silberlachse da, auch Cohos genannt. Und im September steigen die Hundslachse auf. Sie alle kommen aus dem Meer zurück, um im Süsswasser zu laichen.
4.22
Karl Dixon ist Besitzer der einzigen Lodge der Redoubt Bay. Hierher kommen nicht nur Fischer, sondern auch Naturliebhaber, die sich zum Beispiel einmal das Wappentier der USA, den Weisskopf-Seeadler ansehen wollen. Oder natürlich frei lebende Bären.
4.50
Bären haben keine Scheu vor dem Menschen, sie sind aber auch nicht aggressiv. Die Guides führen kaum ein Gewehr, sondern meist nur eine Pfefferspray-Dose für den Notfall mit sich. Und so kann der Tourist im Sightseeing-Boot meist in aller Ruhe einem Schwarzbären folgen, der sich auf der Suche nach reifen Beeren befindet.
5.18
Oder einem andern jungen Schwarzbären, dem der bereits tote Rotlachs sichtlich nicht schmeckt, der aber so unerfahren und ungeschickt ist, dass er keinen lebenden erwischt, obwohl der seichte Fluss von Lachsen wimmelt.
5.48
Statement Karl Dixon:
Es gibt viele Bären, Schwarz- und Braunbären, die Populationen sind gesund, sicherlich die besten von ganz Nordamerika. Die Schwarzbären sind nicht vom Lachsfang abhängig, sie ernähren sich vor allem jetzt von reifen Beeren, sie fressen Gräser und Kräuter – sie sind sehr opportunistische Allesfresser. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, einen Lachs zu fangen, dann fressen sie den natürlich auch. Braunbären hingegen – wir haben gestern drei gesehen – die gehen jetzt gezielt auf Lachsfang. Und sie benötigen Lachs, um den Winter zu überstehen.
6.42
Thomas Eckert und Al Hotle fischen ausschliesslich mit der Fliegenangel. Das erfordert einiges Geschick, nicht nur beim Auswerfen, sondern auch beim Einholen eines Lachses. Die Schnur ist dünn, der Haken klein und der Lachs stark. Und wenn einmal einer nicht wie gewünscht an Bord geholt werden kann, ist das alles andere als ein Unglück.
7.21
Hotle hat diesmal einen Dolly Warden am Haken, einen amerikanischen Seesaibling. Dieser lebt und überlebt, anders als der Lachs, ausschliesslich hier im Süsswasser. Dolly Warden und Regenbogen-Forellen werden deshalb von engagierten Sportfischern prinzipiell nicht getötet, sondern wieder frei gelassen.
7.50
Jetzt zappelt aber ein Lachs an der Angel von Eckert. Und was für einer, der hat einen gewaltigen Zug drauf.
8.10
Es ist ein Sockeye, ein Rotlachs. Dass er eine solche Kraft entwickelt liegt allerdings nicht an seiner Grösse, sondern daran, dass sich der Haken in der Rückenflosse verfangen hat.
8.30
Ein Milchner, ein männlicher Fisch, mit dem typischen gebogenen Hakenmaul. Obwohl Kenner ausschliesslich männliche Fische behalten – Weibchen sollen noch ihre Eier ablegen können – wird auch dieser entlassen. Erstens, weil Eckert gerade keinen Bedarf hat, einen eigenen Lachs in die Lodge mitzunehmen, das Essen ist dort gut und reichlich. Zweitens, weil er sich strikt an die gesetzliche Bestimmung hält, mit der Sportfischerlizenz gefangene Fische nur für den Eigengebrauch zu verwenden. Und drittens, weil nicht im Maul gehakte Fische als nicht legal gefangen gelten. Wieso fängt er denn Fische?
9.04
Statement Eckert:
Es ist einfach die Faszination, so einen grossen, sportlichen Fisch zu sehen, das geeignete Mittel auszusuchen, ihn in der geeigneten Form anzuwerfen und so zu reizen, dass er die Fliege nimmt. Und dann kann man sagen: o.k., das war’s, jetzt kannst du wieder weiter gehen zum Laichen.
9.28
Der ehemals wichtige Fischerhafen von Hvide Sande an der Atlantikküste von Dänemark. Heute übernachten hier nur noch wenige der traditionellen Fischkutter. Der Fang ist mager geworden.
9.40
Dafür blüht der Sommertourismus. Und an der Schleusen-Mole drängeln sich an schönen Tagen die Angler, vor allem deutsche Urlauber. Hier gibt es bei günstigem Wind massenweise Hornhecht zu fangen, eine aalähnliche Weissfischart mit einem markanten Hornschnabel.
10.00
Da tummelt sich dann Krethi und Pleti, zieht Fisch um Fisch an Land und kümmert sich in den seltensten Fällen um eine fachgerechte Tötung.
10.15
Obwohl die Fische dutzendweise mitgenommen werden, landen sie selten in der Pfanne, denn sie sind grätenreich, wenig ergiebig und bitter im Geschmack.
10.25
Im schlimmsten, wie in diesem Fall, wird dem noch lebenden Fisch die Angel mitsamt der Zunge aus dem Maul gerissen. Das Bild ersparen wir uns.
10.43
Es ist einfach ein Zeitvertreib für Jung und Alt...
10.52
... während sich Möwen und Kormorane von Fisch ernähren müssen. Aber auch denen sind Schollen lieber als Hornhechte.
11.04
Das Fangen und Nichtverwerten von Hornhechten ist kein ökologisches Problem, sondern ein ethisches.
11.20
Einen grossen Aufschwung haben, auch in Dänemark, die so genannten „Put and Take“- Anlagen erlebt. In abgeschlossene Süsswasser-Seen werden aus Fischzuchtanstalten fangreife Edelfische ausgesetzt, meist Regenbogen-Forellen. Der Fischer kann je nach Einsatz eine bestimmte Zeit lang fischen und den Fang behalten. In Nymindegab zum Beispiel kostet eine Tageskarte 28 Euro.
11.50
Obwohl ausgewiesen wird, wie viel Kilo Forellen wann ausgesetzt wurden, ist der Erfolg ungewiss. Immerhin ist ein gewisser Reiz da, ein „Challenge“.
12.03
Emil Fromm aus Bergisch Gladbach bei Köln macht seit 45 Jahren hier Urlaub und kennt den Nymindegab-See aus dem effeff. Dennoch hat er nur eine Forelle gefangen und seine zwei Enkel sind entsprechend enttäuscht. Doch der Grossvater nimmt es mit der Abgeklärtheit eines alten Fischers.
12.22
Statement Fromm:
Wir haben vorhin jemanden getroffen, der gestern 10 Forellen gefangen hat. Das ist sehr viel. Vor fünf Tagen war drüben ein „Profi“, sag’ ich mal, der sagte, er hat drei Tage lang nichts gefangen. Das ist sehr abhängig vom Wetter, das ist Natur – man weiss es nicht.
12.40
Immerhin, die beiden Junioren scheinen in Sachen Fischer-Gelassenheit auf gutem Weg zu sein.
12.48
„Put and take“ boomt heute weltweit, aber das Konzept ist alt. Im Wägitalersee im Kanton Schwyz, einem ansehnlich grossen Stausee, wird diese Methode schon seit den 50er Jahren praktiziert, und Beat Holdenrieder betreibt das Geschäft in dritter Generation. Die Regenbogenforellen, die er heute freisetzt, bezieht er von nahe gelegenen schweizerischen Fischzuchtanstalten. Früher, als es in der Schweiz noch kaum solche gab, wurden die Fische noch über 1000 Kilometer weit von Dänemark herangekarrt und über eine 50 Meter lange Rutsche in den See entlassen. Wer von der Ankunft einer neuen Ladung wusste, begab sich genau an die Stelle und hatte im Nu sein Kontingent erfüllt. Heute werden die gut 30 Zentimeter grossen Forellen in einen mit Sauerstoff angereicherten Seewasserbehälter umgeladen und dann über den ganzen See verteilt.
13.50
Neben Forellen kann man im Wägitalersee auch Felchen und Barsche fangen, die sich hier selbst vermehren. Aber der Fangerfolg ist auch hier nicht garantiert. Wer erfolgreich sein will, muss Geduld haben – und früh aufstehen.
14.10
Statement Holdenrieder:
Es gibt natürlich Leute, die erst um zehn oder elf Uhr zum fischen kommen, und behaupten nach wenigen Stunden, es seien keine Fische drin. Fische beissen nicht immer, auch wir essen nicht den ganzen Tag. Es gibt Tage, da beissen sie gut und andere, da halten sie Siesta.
14.30
Aber wer ein eingefleischter Angler ist, der hat Geduld. Und Zeit. Und Musse.
14.40
Als Königsdisziplin der Sportfischerei gilt das Fliegenfischen. Während bei einer Weitwurfrute ein Gewicht an der Spitze der Leine den Wurf ermöglicht und den Köder in die Tiefe zieht, wirft man eine Fliege, die auf dem Wasser schwimmen soll, nur mit dem Gewicht der Fliegenschnur aus. Und weil das gar nicht so leicht ist, wird in der Fliegenfischer-Schule von Hans Ruedi Hebeisen in Zürich erst einmal stundenlang auf dem Trockenen geübt.
15.10
Wenn Hans Ruedi Hebeisen und seine Instruktoren die Schlaufen der Fliegenschnur durch die Luft ziehen, sieht alles so leicht und einfach aus. Der Neuling müht sich vergeblich ab, vor allem, weil er sich zu sehr müht.
15.26
Statement Hebeisen:
Man muss in der Lage sein, die Fliegenrute in Schwingung zu bringen, das heisst, die Eigendynamik des Gerätes auszunutzen. Es gibt Fliegenfischer, die das nicht können. Und das sind nicht immer nur die Anfänger, sondern solche, die selbst arbeiten, statt die Fliegenrute arbeiten zu lassen.
15.47
Die Loisach nahe Garmisch-Partenkirchen ist ein Fischrevier, in dem ausschliesslich mit der Fliegenangel gefischt werden darf. Hier bietet Hebeisen seinen Schülern die Gelegenheit, das Gelernte in die Praxis umzusetzen. Und er kann ihnen etwas vormachen.
16.55
Erst die richtige Fliege aussuchen....
16.03
... sie fachgerecht festbinden....
16.12
... sie dem Fisch mundgerecht präsentieren.....
16.20
... und schon hat einer angebissen!
16.25
Hans Ruedi Hebeisen hat die Fischerei im Blut. Am Zürichsee hat er schon als kleiner Knirps gefischt, sein Vater betrieb ein Fischereigeschäft, in dem auch berühmte Leute ein und aus gingen, die wettkampfmässig Casting betrieben. So nennt sich der Sport, bei dem die Angel möglichst weit oder möglichst genau ausgeworfen werden muss.
16.49
Statement Hebeisen:
Dann wurde ich einmal gefragt, ob ich nicht Lust hätte zu trainieren, und das hat mir dann über viele Jahre besser gefallen als das Fischen. Ich habe von 1962 bis 1970 kaum mehr gefischt, sondern nur noch trainiert und den Casting-Sport amateurmässig und sogar professionell betrieben.
17.15
Mit 63 Metern hielt Hebeisen zeitweise sogar den Weiten-Weltrekord mit der Fliegenangel. Inzwischen gibt er seine Erfahrungen im Werfen wie im Fangen an seine Schüler weiter und leitet das Fischereifachgeschäft. Er hat etliche Fachbücher über das Fliegenfischen publiziert und Lehrfilme darüber gedreht.
17.37
Und er hat an der Loisach für sich und seine Jünger ein ideales privates Fischereirevier gefunden, das sich sowohl für Anfänger wie auch für erfahrene Fliegenfischer eignet.
17.50
Und was man in der Loisach fängt...
17.57
... kann man dann in Garmisch essen. Es gehört zur Tradition, dass der Koch des Hotels, zu dem das Fischereirevier gehört, die gefangenen Forellen und Äschen zubereitet.
18.10
Und es gehört ebenfalls zur Tradition, dass der erfolgreiche Fischer diese seinen Tischgenossen zur Vorspeise serviert. Heute ist es der Chef persönlich, der als einziger eine Forelle mit dem Mindestmass von 50 Zentimetern an Land gezogen hat.
18.30
Wer Lust hat, kann am Abend lernen, wie man selber Fliegen bindet.
18.36:
.. dann nehme ich eine braune Hechel, das sind spezielle Hecheln, gezüchtet für die Fischerei. Jetzt schneide ich hier die Haare kurz weg, damit ich hier so etwas wie eine kleine Bürste kriege...
18.55
Ein Sortiment Fliegen kostet im Geschäft schnell einmal ein paar hundert Franken. Da kann es sich durchaus lohnen, die Utensilien für das Fliegenbinden anzuschaffen und es selbst zu probieren.
19.01:
Für den Körper brauche ich Pfauengras, da nehmen wir etwa vier Stück. Ich schneide sie vom Kiel, lege sie auf den Hakenschenkel und binde das Pfauengras sorgfältig ein.
19.25:
Jetzt nehme ich das Pfauengras und wickle es sorgfältig auf den Hakenschenkel. Das gibt eine schöne Schmeissfliegen-Imitation....
19.44
Es ist faszinierend, wie der Fachmann aus Fasanen-, Pfauen- oder Hahnen-Federn die schönsten Fliegen entstehen lässt. Sie sollen schliesslich appetitanregend sein...
19.52:
... möglichst regelmässig das Ganze, bis einen Millimeter vors Ör.
20.06
Und so sieht es aus, wenn eine Forelle die Trockenfliege nimmt – in Zeitlupe.
20.22
Der Fliegenfischer muss sofort die Leine straffen, wenn ein Fisch zuschnappt. Nur so hat er ihn am Haken und kann ihn sorgfältig an Land ziehen. Eine grosse Forelle kann ziemlich viel Zug entwickeln, und der Fischer muss sie müde drillen, sonst kann das Vorfach reissen. Das vorderste Stück der Leine ist, um vom Fisch nicht wahrgenommen zu werden, meist dünner als ein fünftel Millimeter.
20.57
Es kann Minuten dauern, bis der Fisch an Land ist.
21.16
Auch dieser hier hat die erforderliche Grösse. Und weil es das Wetter zulässt, zeigt Meister Hebeisen der ganzen Fischergesellschaft, wie man eine Forelle auch auf dem offenen Feuergrill zubereiten kann: seitlich einschneiden und mit Salz und Pfeffer würzen, auf einen Rost mit dünnen Stäben legen, das offene Feuer meiden und über der Glut nur so lange grillen, dass das Fleisch am Halsansatz noch feucht ist. Guten Appetit.
21.54
Morgenstimmung an der Varde A in Dänemark. Kaum zu glauben, aber in diesem kleinen Flüsschen nahe der jütländischen Stadt Varde, nur wenig über Meereshöhe, gibt es Lachse. Und zwar endogene, eine Sorte also, die sich hier entwickelt hat und nur hier vorkommt.
22.10
Poul Erik Simonsen ist passionierter Jäger und Fischer. Zum Lachsfang fährt er meist nach Norwegen oder Schweden. Auch für ihn ist es ein kleines Wunder, dass man seit drei Jahren in „seiner“ Varde A sogar wieder Lachse fangen darf.
22.26
Statement Simonsen:
In früheren Zeiten gab es hier so viel Lachs, dass sich die Angestellten auf den umliegenden Bauernhöfen dagegen auflehnten, mehr als drei Mal pro Woche Lachs essen zu müssen. Mit der Industrialisierung kam die Chemie und die Wasserverschmutzung, und der Lachs war hier praktisch ausgestorben. Doch in den letzten Jahren hat man die grössten Umweltsünder eliminiert, wir Fischer haben die Varde A renaturiert, und der Bestand von endogenen Lachsen, einer Abart der Schottischen Lachse, hat sich erstaunlich schnell erholt. Heute darf wieder jeder Fischer einen Lachs behalten.
23.10
Einen Lachs pro Saison, wohlverstanden. Unabhängig davon, ob er ein Saisonpatent gelöst hat oder nur eine Tageskarte. Kontrollen gibt es kaum, doch Bedenken, jemand könnte das ausnutzen, kennt man hier nicht.
23.30
Statement Simonsen:
Na ja, es sind so viele Fischer hier, die sich kennen. Und dann hat jeder den Ehrgeiz, seinen grossen Fang herzuzeigen und publik zu machen. Natürlich wird es einige Betrüger geben, aber das sind wohl nicht mehr als eine Hand voll.
23.54
Der örtliche Fischereiverein führt eine umfangreiche Homepage, auf der jeder Fang minuziös festgehalten wird. Name des Fischers, Datum und Zeit, Köder, Länge und Gewicht des Fisches, und natürlich von jedem ein Foto mit dem kapitalen Fang. Dazu gibt es besondere Auszeichnungen, zum Beispiel für den „Fischer des Monats“. Poul Erik Simonsen gehört nicht dazu. Er hat in diesem Sommer keinen Varde-Lachs gefangen.
24.30
Alaska ist vierzig Mal so gross wie die Schweiz, hat aber nur einen Zehntel so viele Einwohner. Hier ist alles so weitläufig, dass man sehr viele Destinationen nur mit dem Wasserflugzeug erreichen kann. So auch die Winterlake Lodge, eine Flugstunde nordwestlich von Anchorage.
24.47
Carl Dixon und seine Crew empfangen zwei italienische Ehepaare. Es sind keine Fischer, sie haben die Winterlake-Lodge ausgesucht, weil hier mehr geboten wird als Lachsfang. Carl Dixon und seine Frau Kirsten, Besitzer dreier Lodges, halten sich vorwiegend hier auf, auch im Winter. Winterlake ist sogar Checkpoint des berühmten Iditarod-Schlittenhunderennens.
25.14
Statement Dixon:
Ursprünglich war das eine Lodge für Fischer, die Lachs mit nach Hause nehmen wollten. Jetzt bieten wir immer noch Fischen an, aber auch viele andere Aktivitäten. Und weil wir neben den Abenteuer-Trips und einem Wellness-Bereich auch auf eine gute Küche fokussiert sind, kommen ganze Familien hierher, Fischer mit ihren Kindern und Frauen.
25.42
Ein Blick in die grosse Küche genügt, um festzustellen, dass hier feines Essen mit lokalen Zutaten ein wesentlicher Teil der Gastgeber-Philosophie ist. Und es wird nicht nur gut zubereitet, sondern auch präsentiert. Chefkoch Bill Baskin erläutert:
25.56
Statement Chefkoch:
Zur Vorspeise gibt es Georgia-Lamm an einer Preiselbeer-Sauce, die Beeren sind erst heute hier gepflückt worden. Und die Suppe ist ein Geflügelconsommé mit frischem Spinat.
26.12
Statement Dixon:
Wir lieben den intensiven Kontakt mit unseren Gästen, wir wollen ihnen zeigen, was es mit Alaska auf sich hat, wir wollen ihnen neue Berge, neue Flüsse, neue Aktvitäten zeigen. Wenn jemand noch nie gefischt hat, zeigen wir es ihm, wenn jemand noch nie einen Gletscher gesehen hat, fliegen wir ihn im Helikopter zum Mount McKinley oder Denaly, wie er hier heisst.
26.37
An klaren Tagen sind die Gletscher des McKinley-Massivs von der Lodge aus zu sehen, und auf dem Weg zum Lachsfischen kann man auch einmal eine Elchkuh in einem der unendlich vielen Seen entdecken. Und so sehen die idealen Lachs-Fangplätze aus. Die Einmündung eines kleinen, klaren Quellflusses in den grossen, trüben Skwentna River.
27.08
Carl Dixon versucht gerade einem italienischen Gast das Werfen mit der Fliegenrute beizubringen. Und tatsächlich, schon bald zappelt ein dicker Sockeye an der Leine.
27.40
Und der italienische Gast ist schliesslich vor Begeisterung fast sprachlos...
27.50
Statement Giorgio:
Ich dachte, dass Fischen nichts sei für mich - jetzt habe ich es trotzdem versucht und mein erster Fisch war gleich ein so grosser Lachs. Unglaublich.
28.03
Mit Thomas Eckert unternimmt Carl Dixon dann noch einen kleinen Ausflug zum Canyon Creek. Beim Überflug entdecken die beiden eine Braunbären-Mutter mit ihren beiden Jungen. Das heisst: auch im Canyon Creek sind Lachse unterwegs.
28.23
Und wie. Es wimmelt nur so von Buckel- und Silberlachsen.
28.30
Noch bevor Eckert seine Fliege montiert hat, zappelt schon ein Pink an Carls Leine.
23.45
Aber er entlässt ihn, wie die meisten andern, die er fängt. Das gehört zur Philosophie eines echten Lachsfischers.
28.52
Statement Dixon:
Du kannst denselben Fisch viele Male fangen, aber nur einmal töten. Wir fangen Lachse gemäss den Vorschriften, Alaska hat hervorragende Arbeit geleistet bei der Bewirtschaftung der Pazifischen Lachse. Andere Arten, zum Beispiel Regenbogen-Forellen, töten wir gar nicht, wir benutzen nur Einzelhaken ohne Widerhaken, keine natürlichen Köder. Ein Fisch, der einen natürlichen Köder schluckt, ist ein toter Fisch. Man kann den Haken meist nicht mehr lösen.
29.21
Auch Thomas Eckert ist erfolgreich. Aber auch für ihn ist klar, dass dieser Fisch ins Wasser zurück gehört. Er hält sich an die Bestimmung, dass Sportfischer ihren Fang nur zum Eigengebrauch behalten können. Dass viele Europäer sich mit dem Verkauf ihrer Beute die Alaska-Reise finanzieren, findet er skandalös.
29.45
Statement Eckert:
Das ganze hat mit Sportfischen nichts zu tun. Ich würde nichts sagen, wenn die sich um eine professionelle Fischerei-Lizenz bemühen, 50 Tonnen Lachs fangen und die dann in Europa verkaufen würden. Aber unter dem Deckmantel der Sportfischerei geht das nicht. Ein mit der Sportfischer-Lizenz in Alaska gefangener Fisch darf weder verkauft noch getauscht werden.
30.15
Das gilt auch für Carl Dixon. Er darf die selbst gefangenen Lachse nicht einmal seinen Gästen als Teil des Menus anbieten.
30.30
Diesen männlichen Prachtskerl nimmt er allerdings ausnahmsweise mit. Als Geschenk für ein Hochzeitspaar.
30.47
Er ist nämlich auch offizieller Standesbeamter. Für heute hat sich ein nicht mehr ganz junges Paar angemeldet, das er am Nachmittag trauen wird. Und am Abend wird gefeiert. Mit den Hochzeitsgästen, die eben zufällig in der Lodge sind.
31.10
Und sein Hochzeitgeschenk: der eben gefangene und in der Küche wunderbar zubereitete Silberlachs.
Swiss made:
1.04
Fischzuchtanstalt Klosters. Rund 400 Seeforellen-Sömmerlinge werden von Hauptfischereiaufseher Peter Warnier auf ihr grösstes Abenteuer vorbereitet: sie sollen in die Freiheit entlassen werden. Der Seetalsee im Silvretta-Gebiet auf rund 2000 Metern soll die neue Heimat der 6 Monate alten, nur 2 Gramm schweren Fische werden.
1.30
Bis zur Alp Sardasca geht’s mit dem Auto, doch von hier an wird die Umsiedlung zu einer richtig harten Bergtour. Erstens für die Forellen. Sie werden in wassergefüllte Plastiksäcke verpackt, mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt und im dunklen Rucksack verstaut.
1.58
Vor allem aber für Peter Warnier und Jagd- und Fischereiaufseher Martin Gujan. Über eine Stunde lang buckeln die beiden, begleitet vom Hannoveraner Schweisshund Buddy, fast 20 Liter Wasser und kaum 500 Gramm Fisch 400 Meter in die Höhe zum Seetalsee. Viel Aufwand für ein paar Fischer, die während des kurzen Bergsommers den langen Weg unter die Füsse nehmen.
2.28
Statement Warnier:
Wir sind der Meinung, dass Fische nicht in jeden See gehören. Sie gelangen ja nicht auf natürlichem Weg hierher, sie wurden schon früher herauf getragen und ausgesetzt. Aber für den Fischer ist so ein See attraktiv. Wir wollen deshalb den Bestand erhalten, die einheimischen Fischarten fördern und dem Fischer einen schönen Tag und einen guten Fang ermöglichen.
3.02
Das Wasser in den Plastiksäcken wird auf Seetemperatur heruntergekühlt, bevor die Sömmerlinge entlassen werden. Um ihre Entwicklung verfolgen zu können, hat Warnier allen die hintere Rückenflosse entfernt – sie hat ohnehin keine Funktion.
3.18
Statement Warnier:
Wir markieren die Forellen, indem wir ihnen die Fettflossen abtrennen, die nicht mehr nachwachsen. Normalerweise bestzen wir damit Fliessgewässer, das hier ist ein erster Versuch in einem Bergsee. Ich bin gespannt, wann hier die ersten markierten Fische gefangen werden. Und ich erwarte Erkenntnisse darüber, ob wir später nur markierte Fische fangen, oder ob auch eine natürliche Fortpflanzung erfolgt.
4.10
Am Seerand, zwischen schützenden Steinen, erlangen die Sömmerlinge ihre Freiheit. Einige von ihnen sollen dereinst das Herz eines gebirgstüchtigen Fischers erfreuen. Dazu müssen sie mindestens 22 Zentimeter lang sein.
4.25
In Graubünden wird nach dem Patentsystem gefischt, das heisst, dass jeder Fischer mit einer Anglerkarte im gesamten Kantonsgebiet fischen darf. Aber der Erfolg, vor allem in Bergseen, muss erdauert werden. Im Jahr 2008 haben im Seetalsee 36 Fischer insgesamt 27 Fische gefangen.
4.45
Wie viele Forellen überleben werden, ist ungewiss, wahrscheinlich weniger als die Hälfte. Aber gerade das will man unter anderem herausfinden.
5.00
Statement Warnier:
Es ist ein nährstoffarmer See, deshalb will man nicht zu viele Fische aufs Mal aussetzen. Die Frage, wie viele überleben, kann ich nicht beantworten, das werden die späteren Fänge zeigen. Hier herrscht ein hartes Klima, der Seetalsee ist von Mitte November bis Mitte Juni von Eis bedeckt, und bis eine Forelle das Fangmass erreicht, dauert es im Minimum vier bis fünf Jahre.
5.36
Für jene paar Fischer also, die ihr Hobby mit einem Hochgebirgserlebnis kombinieren wollen, nehmen Peter Warnier und Martin Gujan die Strapazen auf sich, Wasser in einen Gebirgssee zu tragen...
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